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Dead Rising

Der kleine Jörg-Ruben möchte aus dem Kinderparadies abgeholt werden

 
IKEA ist ein schwedisches Einkaufscenter und hat überhaupt nichts mit Dead Rising zu tun. Oh, wie das Offensichtliche uns manchmal zu täuschen vermag... Denn wer das Möbelhaus mal an einem Samstag besucht, der wünscht sich in die Haut von Frank West, der in einer ähnlichen Situation alles kurz und klein schlagen darf. Ihm geht es dabei aber weniger um Warteschlangenfrust oder nervige Großfamilien, bei ihm geht es um mehr - ums Überleben. Jawohl, wer Dead Rising in wenigen Worten beschreiben will, der reduziert es auf ein mit Zombies angefülltes Kaufhaus, bei dem ihr in allerfeinster Splattermanier abertausende Untote abschlachtet. Capcoms Actiontitel ist dabei jedoch so herrlich ironisch, voll schwarzem Humor und spielerisch so ausgeklügelt, dass man dem Titel damit nicht gerecht würde.



Alles beginnt, wie so oft, mit einem unbekannten Erreger, der die Kleinstadt Willamette befallen hat, insbesondere dessen große Mall. Als ambitionierter Fotograf wittert Protagonist Frank West darin seine Chance auf jede Menge Kohle und lässt sich mitten im Katastrophengebiet absetzen. Eigentlich ein Selbstmordkommando, wie ihr wenige Minuten später merken werdet. Denn gerade zu Beginn ist Dead Rising ein sehr schweres und forderndes Spiel. Hintergrund, um das direkt vorwegzunehmen, ist das Anliegen Capcoms euch zum mehrmaligen Durchspielen zu bewegen. Unser Held wächst an seinen Aufgaben und dank Erfahrungspunkten und Co., werdet ihr kräftiger, agiler und haltet dem Aufmarsch der Untoten länger stand, nur eben am Anfang nicht. Ein weiterer Stolperstein ist der Schutzraum in der Nähe des Daches. Dieser Schutzraum ist nämlich der einzige 100% sichere Ort im ganzen Spiel. Das ist, spielerisch gesehen, insbesondere zum Einstieg ein echter Brocken, an sich aber ein genialer Schachzug: Auf dieser Art und Weise setzen die Entwickler uns ordentlich unter Druck und schaffen das ungute Gefühl der ständigen Gefahr. Das passt. Als wäre dieses beklemmende Ambiente nicht schon schlimm genug, legt Dead Rising auch noch enorm viel Wert auf Zeit und Timing. Während ihr durch die Mall, deren Außenareale oder Lagerräume sprintet, läuft durchgehend eine Uhr mit. Daran gekoppelt ist die komplette Haupthandlung. Kurz gesagt: Wenn ihr um 14:00 Uhr an einem bestimmten Ort sein müsst und eben jene Verabredung verpasst, dann ist dieser Teil der Geschichte verloren. Wer dieses Detail nachholen will, der muss bis zum zweiten Durchgang warten. Schnell wird also klar, dass man wirklich mehrmals ran muss um Dead Rising als das zu begreifen was es ist. Denn es gibt weitaus mehr Aufgaben und Möglichkeiten als man beim ersten Durchspielen denken mag. Zusätzliche Motivation bringen die unterschiedlichen Endsequenzen und natürlich der Drang, das Spiel auf aus einer anderen Perspektive zu erleben.



So fein diese Spielmechanik auch ist, so sehr fühlen sich einige Spieler davon unter Druck gesetzt. Leider gibt es nur einen Saveslot, so dass auch nicht viel experimentiert werden kann. Entschädigt wird man mit der überraschend guten Story, den vielen herausragend dargestellten Figuren, tollen Endbossen und spielerischem Freiraum. Euch überlassen ist z.B. die Wahl der Waffe, ein wichtiger Bestandteil von Dead Rising. Frank ist dabei pragmatisch veranlagt: Sonnenschirm, Kettensäge, Eimer, Paddel, Baseballschläger, E-Gitarre oder diverse Lebensmittel - alles was man in den Läden der Mall greifen kann eignet sich um Zombies damit zu verprügeln oder in ihre Einzelteile zu zerlegen. Herrlich überdreht und natürlich blutig ohne Ende. Wie ihr auf den Bildern seht, geht es dabei nicht um einige wenige Zombies, sondern wirklich um wahre Massen, ganze Berge aus Gegnern. Die Kämpfe sind anfangs vermutlich euer liebstes Kind und durchaus fordernd, egal auf welche Art und Weise ihr vorgeht. Es macht Spaß die Waffen auszuprobieren oder auch mal im Nahkampf dem ein oder anderen Untoten den Garaus zu machen. Höhepunkt sind die Psychopaten, quasi die Endgegner im Spiel, bei denen euch teilweise das Herz in die Hose rutscht. Wer Adam dem Clown oder Larry dem Schlachter gegenüber gestanden hat, der weiß was ich meine. Mit steigender Spielzeit rücken die Konfrontationen mit den normalen Zombies immer weiter in den Hintergrund. Frank ist ja vor Ort um Fotos zu machen und genau das probiert man dann immer öfter. Je beeindruckender euer Bild, desto mehr Punkte gibt es. Noch interessanter ist aber das Retten der Unschuldigen. Davon gibt es in der Mall noch einige und nur gemeinsam mit Frank können sie es zum sicheren Schutzraum schaffen. Das Eskortieren jener hilflosen Mitbürger ist nicht einfach, teilweise auch ein bisschen unfair, aber ein wichtiger Teil von Dead Rising.

Technisch gesehen ist der Actiontitel ein Meisterstück, insbesondere was den Detailgrad angeht. Capcom nutzt die neue Technik der Konsole hervorragend aus und bringt knackscharfe Texturen und einen enorm hohen Detailgrad mit. Der Sound kann sich ebenfalls hören lassen und so lobe ich den Actiontitel auch in Sachen Präsentation. Entwickler Capcom hat mit Dead Rising ein sonderbares Spiel geschaffen und wer sich darauf einlässt wird mit viel Motivation belohnt. Es kommt nicht oft vor, dass ich ein Spiel direkt nochmal durchspiele, hier war es aber der Fall. Die intelligenten Erfolge belohnen unterschiedliche Vorgehensweisen und allein die Psychopaten sind es wert das Spiel komplett zu durchleuchten. Die Kombination aus Humor, forderndem Gameplay, herrlichen Tötungsorgien und offenem Missionsdesign geht voll auf und macht Dead Rising zu einem echten Hochkaräter.



Note: gut

 
Genre: Action

Entwickler: Capcom
Publisher: Capcom

Release: September 2006
getestet: September 2006 // Xbox 360 // pal uk // Limited Edition