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Gears of War

Kreischend schraubt sich die Kettensäge durch das feindliche Fleisch

 
Wenn missgestaltete Kreaturen aus Erdlöchern kriechen und gewaltige Berserker massive Steinmauern mit einem Faustschlag erschüttern, dann stimmt was nicht. Genau das passiert auf dem Planeten Sera, auf dem seit vielen Jahren ein Krieg zwischen Mensch und Locust tobt, jenen Geschöpfen aus dem Untergrund, die jetzt den Weg an die Oberfläche des Planeten gefunden haben. Das ist, in ihren Grundzügen jedenfalls, die Geschichte von Gears of War, bei der ihr das Kommando über einen Stoßtrupp der KOR übernehmt, die so ziemlich die letzte menschliche Gegenwehr darstellt.

Was etwas abgedroschen klingt, entfaltet im Spiel eine sagenhafte Atmosphäre und trägt einen nicht unerheblichen Teil zum wahnsinnigen Erfolg von Gears of War bei, dem bis dato schönsten Videospiel aller Zeiten. Doch die brillante optische Präsentation ist nur eines der vielen Teilelemente, die den 3rd Person Shooter zu einem absoluten Meisterwerk machen. Das Team von Epic Games hat neben der überragenden Technik auch noch ein sehr leicht verständliches, aber hochspannendes Gameplay ausgearbeitet, einen grandiosen Mehrspieler hinzugefügt und sorgt für uneingeschränkten kooperativen Spielspaß.



Obwohl die Protagonisten muskelbepackte Berge sind, schwer bewaffnet und gepanzert, marschieren sie nur langsam durch das Kriegsgebiet. Da der Feind unter der Erde lauert, werdet ihr oft überrascht und aus bebenden Erdlöchern bahnt sich das Unheil den Weg nach oben. Die Locust sind ebenfalls enorm massive Geschöpfe und haben zur Gegenwehr ihrerseits Maschinengewehre, stationäre Geschütze und uneingeschränkten Kampfesmut mitgebracht. Wer sich darauf nicht einstellt, der wird vom Kugelhagel der Locust regelrecht zerfetzt. Spielerisch an erster Stelle steht deshalb das Aufsuchen einer Deckung, egal ob kleine Mauer, Sandsäcke oder zerstörte Fahrzeuge, Hauptsache ihr könnt erstmal euren Gegenangriff planen. Dazu feuert man entweder blind über die Mauer oder wartet, bis eure Kameraden euch unterstützen. Meist seid ihr sogar zu viert unterwegs, was die Intensität weiter verstärkt und auch spielerisch für mehr Möglichkeiten sorgt. Blitzschnell müsst ihr jetzt die Deckung verlassen und das Feuer eröffnen, eine gezielte Granate werfen oder den Feind flankieren. Kommt ihr nahe genug an die Widersacher heran, kann man - alternativ zum Stoß mit der Waffe - beim Lancer die Kettensäge aktivieren, die praktischweise an die Kanone montiert ist. Das heulende Mordinstrument zerstückelt eure Gegner und ist nur eine von vielen interessanten Waffen, die je nach Situation Vor- und Nachteile mitbringen. Rabiat wie das Actionspiel ist, sind auch blutige Finisher möglich. Gears of War ist zwar nur ein Shooter, hier greifen jedoch die Räder allesamt perfekt ineinander. Dank der gewaltigen Präsentation, nebst atemberaubenden Landschaften, Texturen, Animationen und Effekten, dem wuchtigen Sound mit grandiosem Score und hervorragender Synchro, setzt Epic hier die Messlatte für kommende Spiele ein ganzes Stück höher. Die aggressiven Locust fordern euch auf drei verschiedenen Schwierigkeitsgraden und entpuppen sich als harte Gegner. Kein Feuergefecht gleicht dem anderen, alle sind sie aber unwahrscheinlich packend, intensiv und unterhalten den Spieler auf höchstem Niveau.



Gears of War vermittelt euch das unbeschreibliche Gefühl ein Teil einer Schlacht zu sein, dessen Ausmaß man nur langsam begreift. Da die Entwickler euch immer wenigstens einen Partner zur Seite stellen, kann die Geschichte intelligent erzählt werden und wirkt dadurch ein wenig glaubwürdiger - wenn man das so sagen kann. Nebenbei ist dank dieser Entscheidung auch ein kooperativer Mehrspieler möglich, den ich bereits kurz erwähnt habe. Vergessen darf man jetzt die rudimentären Befehle an die Kameraden, denn fortan agiert man via Headset im aussichtslosen Kampf. Das steigert den Spielspaß nochmal um eine ganze Stufe. Darüber hinaus gibt es einen motivierenden Online Multiplayer, bei dem bis zu acht Spieler eingeladen sind sich auf tollen Karten gegenseitig zu vernichten. Mehr als ein kleiner Bonus, der Multiplayer ist bis auf wenige Schwächen ein Garant für wochenlanges Spielvergnügen und unterstreicht das Bestreben von Gears of War ein echter Meilenstein zu sein.

Wer nach Mängeln sucht, der wird auch welche finden: Der Einzelspieler ist mit seinen etwa acht Stunden nicht wirklich umfangreich, bietet euch in der Zeit aber viel Abwechslung, keine Durststrecken und jede Menge unvergessliche Momente. Dezent überbelegt ist leider der A Knopf, der deshalb nicht immer den gewünschten Effekt erzielt. Hingegen sehr gelungen ist das Nachladen auf RB, das erfolgreiches Timing belohnt und euch ansonsten mit einer Ladehemmung kurzzeitig bestraft. Doch selbst wenn ich noch mehr Defizite finden würde - die es eigentlich gar nicht gibt - kommt man nicht um die beste Wertung herum die man vergeben kann. Gears of War ist ein Pflichtspiel, setzt in vielen Belangen neue Maßstäbe und ist ein ungemeiner Gewinn für die Videospiel Branche. Deutschland entzieht sich dieser Magie übrigens und hat Gears of War zügig indiziert.



Note: sehr gut

 
Genre: Action

Entwickler: Epic Games
Publisher: Microsoft

Release: November 2006
getestet: November 2006 // Xbox 360 // ntsc us