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the Darkness

Sorry, aber ähm... du hast da zwei Schlangen!

 
Wer einen Pakt mit der Dunkelheit eingeht, egal ob freiwillig oder durch einen eher blöden Zufall, der muss mit Zensur rechnen. Für die deutsche Fassung wurde the Darkness deshalb dramatisch entschärft. Herzen herausreissen kann man seinen Widersachern nun beispielsweise nicht mehr. Gut, dass ich ohnehin zu der UK Version tendierte. Schon nach wenigen Minuten im Spiel wird dann deutlich, dass der Ego Shooter weit mehr zu bieten hat als Blut, Gewalt und Hass. The Darkness ist eine unerwartet actionbetonte Achterbahnfahrt mit hervorragender Präsentation, toller Spielmechanik und einer bizarren Hintergrundgeschichte.

Vorlage für das Videospiel ist ein Comicheft, weit weniger bekannt als Superman, Spiderman oder sonstige prominente Vertreter. Jackie Estacado, in dessen virtuelle Haut ihr schlüpft, gerät in familiäre Schwierigkeiten. Das ist deutlich dramatischer als ein Streit am heiligen Abend, da euer Onkel Paulie in mafiöse Kreise verstrickt ist und seinen Neffen (das sind wir) nun tot sehen möchte. Als wäre das noch nicht genug, bemächtigt sich wenige Augenblicke später eine dunkle Macht eures Körpers und Geistes. Eine verhängnisvolle Kombination und kurz darauf beginnt euer Albtraum aus Feuergefechten, der verführerischen Macht der Dämonen und der Reise an einige absonderliche Orte.



Obwohl ich the Darkness zu Beginn gleich mehrfach gelobt habe, ist das Spiel in keinem Belang perfekt. Das beginnt schon bei der eigentlich beeindruckenden Optik, die bei zu schnellen Bewegungen eine unruhige Hektik ausstrahlt. Schwer zu beschreiben, fällt euch sicher aber selber auf. Davon abgesehen gibt es tolle Schauplätze, knackscharfe Texturen und viel zu sehen. Ein ähnliches Problem hat leider der wuchtige Soundtrack. Hier spitzt sich der Ego Shooter manchmal so zu, dass man vor lauter Effekten in eine unliebsame Unruhe fällt, die wenig Freude macht. Ausgeglichen wird das u.a. mit der herausragenden Synchro und dem Rest der Soundkulisse. Die Steuerung kommt auch nicht ohne Kritik aus, da sich Jackie nicht immer so butterweich durch die Level lenken lässt wie man sich das wünscht.

Davon abgesehen jedoch, weiß die Spielmechanik zu begeistern und die Worte des Lobes empfängt the Darkness völlig zurecht. Der Ego Shooter hat das gewisse Extra das vielen Konkurrenten fehlt. Der Grund dafür ist natürlich die Dunkelheit die ihr in euch tragt und die euch bei Rätseln und vor allem im Kampf viele Möglichkeiten bietet. Selbstverständlich weiß Jackie wie man mit Shotgun und Pistole umgeht, das reicht jedoch an vielen Stellen im Spiel nicht. Die Gegner stecken einiges ein und machen euch schon auf dem normalen Schwierigkeitsgrad das Leben schwer. Das gefällt mir, zumal man nicht auf Schusswaffen beschränkt ist. Auf Knopfdruck schnellen zwei dämonische Arme hervor, die jetzt zu eurem Körper gehören. Die finsteren Schlangen haben zwar ihren eigenen Kopf, hören aber auch auf euer Kommando. Am meisten Spaß macht es selbstverständlich, einen schier ausweglosen Kampf mit Hilfe der Dunkelheit zu beenden. Mühelos packen die Schlangen eure Widersacher, reißen sie in Stücke und zerfetzen sie in der Luft. Als Belohnung möchten sie sich nur die Herzen der geschlachteten Gegner einverleiben und ein schattiges Plätzchen aufsuchen. Schatten regeneriert nämlich eure dunkle Magie, weshalb Jackie viel Zeit damit verbringen wird, Lichter auszuschießen oder sich in dunkeln Ecken zu verstecken. Mit Hilfe eurer neuen Fähigkeiten könnt ihr außerdem Darklings beschwören, die auf Wunsch für euch eben jene Lichter ausschießen, Feinde ablenken oder sogar angreifen.



Großer Pluspunkt ist, neben all dieser Abwechslung und Vielfalt im Kampf, die herausragende Atmosphäre. Die tolle Story treibt euch immer weiter vorwärts und überrascht dabei mit interessanten Wendungen und reichlich Abwechslung. Ein Vergleich mit anderen Ego Shootern erübrigt sich deshalb sehr schnell, da Starbreeze die Comicvorlange ausgezeichnet umgesetzt hat. Den Preis für die niemals einkehrende Langeweile mussten sich die Entwickler mit der sehr kurzen Spielzeit von etwa sieben Stunden erkaufen. Das ist zu wenig, spricht aber für die eingangs erwähnte Achterbahnfahrt, da man Durststrecken im Spiel nicht finden wird. Es sei denn man bereist nicht den nächsten Zielort, sondern nutzt die offen gestaltete Spielwelt und läuft anderenorts herum. Leider ist das eher Pseudo Open World und Entwickler Starbreeze konnte diesen Aspekt so gar nicht überzeugend umsetzen. Viele Mauern, wenig zu Tun abseits der Haupthandlung und leere Schauplätze. Gleiches gilt übrigens für den allenfalls durchschnittlichen Mehrspieler, der mich nach all der Begeisterung wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt hat. Performanceschwierigkeiten, fade Spielmodi und durchwachsene Steuerung - da hilft auch das Verwandeln in einen Darkling nicht. Doch den Multiplayer kann ich gut ausklammern und werde meine Zeit mit the Darkness trotzdem nicht vergessen. Ein Exot im Genre der vielen Ego Shooter, der mit reichlich Energie und brutaler Gewalt für ein paar Stunden für ordentlich Furore vor der heimischen Konsole gesorgt hat...



Note: gut

 
Genre: Ego Shooter

Entwickler: Starbreeze Studios
Publisher: 2K Games

Release: Juli 2007
getestet: August 2007 // Xbox 360 // pal uk