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BioShock

"No Gods or Kings. Only Man."

 
Der Untertitel ist ein Zitat von Andrew Ryan. Er war ein mutiger Visionär, der von einer Welt ohne Grenzen geträumt hat. Eine Welt, in der die Wissenschaft sich nicht der Moral beugen muss, der Künstler den Zensoren nicht zu fürchten braucht und sich große Geister uneingeschränkt entfalten können. Um das zu verwirklichen hat er sich seinem Größenwahn hingegeben und Rapture erschaffen. Rapture ist die Stadt unter der Meeresoberfläche, in der BioShock spielt. Eine völlig eigenständige Welt, umgeben von mehreren Millionen Litern Wasser. Es sollte ein Neubeginn sein, den Höhepunkt menschlichen Lebens darstellen - und der Plan ging fürchterlich schief. Der Mensch ist kein Geschöpf für die Perfektion und so wurde Rapture das Opfer von Gefühlen wie Hass, Neid, Missgunst und schließlich auch von ADAM. Wenn man so will dem Ambrosia von Rapture. ADAM ist eine Substanz, die das größtmögliche aus dem menschlichen Geist kitzeln kann und dem Körper neue Kräfte verleiht - aber die Menschen leider auch in eine geistlose Abhänigkeit treibt und zu willenlosen Monstern macht.



Ihr betretet Rapture einige Jahre nach dem Absturz und kommt in eine Welt des Verfalls, der Absurditäten und begreift nur langsam was hier geschehen ist. Von Plasmiden und Tonika entstellte Menschen, sogenannte Splicer, begrüßen euch mit dem blanken Wahnsinn in den Augen und wollen euch ohne Vorwarnung zu Tode prügeln. Welche Rolle ihr in diesem gefallenen Utopia spielt klärt sich erst im fortschreitenden Spielverlauf. Passt jedoch auf wem ihr euer Vertrauen schenkt, denn Rapture ist ein bizarrer Ort aus dem es scheinbar kein Entkommen gibt.

BioShock zu beschreiben ist wirklich nicht einfach. Es ist ein Meisterwerk. Die Hintergrundgeschichte, der fantastische Stil im Art Déco Design, die phänomenale Präsentation und das intelligente Gameplay. Das Spiel verdient das Prädikat 'Besonders wertvoll' und versetzt mich noch immer in einen wahren Glückszustand. Der langen Einleitung könnt ihr entnehmen, dass die Geschichte mit ihren Figuren, der Stadt unter dem Meer und dem Missbrauch von ADAM einen Großteil dazu beiträgt. Das ist es aber nicht ausschließlich. BioShock spielt man aus der klassischen Ego Perspektive. Ein Ego Shooter ist es aber nicht. Es ist mehr ein Abenteuer, bei dem man an vielen Orten einfach nur deshalb verweilt, weil sie so großartig ins Spiel integriert wurden. Durch gigantische Scheiben kann man den Meeresgrund beobachten, es gibt Galerien, Theater und ganz normale Korridore und Hotels. All das mit einer einzigartigen Atmosphäre und Extravaganz. Technisch haben die Entwickler ihre Hausaufgaben gemacht. Mit toller Farbwahl, herrlichen Animationen, hervorragender Ausleuchtung und schicken Wassereffekten wird die detaillierte Welt zum Leben erweckt, die euch fasziniert, aber auch Angst und Respekt einjagt. Für Begeisterung sorgt auch die Akustik. Stilecht kommen Grammophone und Jukeboxen zum Einsatz, die mit zeitlosen Stücken von u.a. Frank Sinatra, Billie Holiday oder Cole Porter beeindrucken. Der sehr düstere und hochwertige eigene Soundtrack lädt zum lauter machen ein und punktet mit gelungenen Effekten. Diese kommen insbesondere in den vielen Kämpfen zum Einsatz und lassen euch bisweilen ehrfürchtig erstarren.



Wenn es etwas gibt was BioShock bekannt gemacht hat, dann sind es die Big Daddies. Über ihre faszinierende Rolle in der Welt von Rapture verrate ich nichts, aber ich habe im vorigen Absatz das Wort ehrfürchtig benutzt, das ich mir eigentlich für jene Geschöpfe aufheben wollte. Friedliche Giganten, die aber jederzeit dazu in der Lage wären euch ohne Probleme zu zerquetschen. Meine erste Begegnung mit einem Big Daddy werde ich nie vergessen. Mit offenem Mund blieb ich wie eingefroren stehen und beobachtete den Riesen, wie er sich ächzend und mit wuchtigen Schritten langsam seinen Weg bahnte. Nur einer von vielen unvergesslichen Momenten die BioShock mir ins Wohnzimmer gebracht hat.

Selbstverständlich wird bei BioShock viel gekämpft. Schon nach wenigen Minuten im Spiel müsst ihr eure ersten Splicer erschlagen und könnt danach deren geschundene Leiber durchsuchen. Ihr wehrt euch mit Schraubenschlüssel und Co., tut aber im Spielverlauf eine Vielzahl bizarrer Waffen auf. Diese lassen sich an Arbeitstischen ordentlich aufwerten und erweitern. Das motiviert, ebenso wie das Sammeln von ADAM, bzw. die Nutzung von Plasmiden. Das was Rapture zum Verhängnis wurde ist in der Theorie nämlich äußerst interessant und im Kampf absolut notwendig. Mit den richtigen Hilfsmitteln erlernt ihr z.B. Telekinese, nutzt die Macht von Feuer, Elektrizität oder lasst einen aggressiven Bienenschwarm auf die Feinde los. Auch diese Fähigkeiten lassen sich upgraden. Das ist wichtig, facettenreich und macht richtig viel Spaß. Das Feindvolk ist nicht über alle Maßen intelligent, aber mit dem Mut der Verzweiflung bewaffnet und hat außerdem besondere Attacken auf Lager. Die Houdini-Splicer beispielsweise, verschwinden für einige Sekunden im Nichts, um euch unverhofft von hinten anzugreifen.

BioShock wird eher langsam gespielt. Auf viele Konfrontationen könnt ihr euch entsprechend vorbereiten oder die Gegner intelligent austricksen. Manipulieren lassen sich Kampfroboter, Geschütztürme und Überwachungskameras, was hervorragend zum Spiel passt. So könnt ihr Fallen aufbauen, euch geschickt in Position bringen und die Splicer dann anlocken. Das ist, neben der herausragenden Atmosphäre, dem durchdachten Gameplay, der fabelhaften Präsentation ein weiterer Grund, warum BioShock bis zum Abspann motiviert. Dass bei einem Meisterwerk Details wie Ladezeiten, Steuerung, Lernkurve und die Spielzeit, ca. 15 Stunden, ebenfalls auf höchstem Niveau rangieren, versteht sich eigentlich von selbst. Da 2K Boston auch noch meine Sammelleidenschaft geweckt hat, schließe ich den Test ohne Kritik.



Note: sehr gut

 
Genre: Ego Shooter

Entwickler: 2K Boston
Publisher: 2K Games

Release: August 2007
getestet: September 2007 // Xbox 360 // pal at // Limited Edition