blindesehenlahmegehen

Akrobatik mit Buchstaben

   
Start
Artikel
Testberichte
Xbox One
Xbox 360
braune Momente
 
 
 

Beautiful Katamari

Der Kulturschock den ich immer wollte

 
Man rollt nicht nur dann wenn man übermäßig fett ist, manchmal rollt man aus Überzeugung, aus Leidenschaft und ganz selten rollt man vielleicht auch, weil man ein Schwarzes Loch schließen muss. Genau aus diesem Grunde nämlich, macht sich der kleine Prinz an die Arbeit. Sein Vater, der Herrscher des Universums, hat bei einem Tennismatch ein Loch in eben jenes gerissen, welches fast alle Sterne und Planeten eingesaugt hat. Also müssen neue her, die ihr bitte anfertigt. So viel zur Hintergrundgeschichte, die mir ausgezeichnet gefallen hat. Exotisch, bizarr und völlig ungewohnt. Außerdem hat Entwickler Namco Bandai alles wirklich sehr nett und stilsicher umgesetzt, vom Hauptmenü, den Ladeanzeigen bis hin zur eigentlichen Spielwelt. Jener Stil ist für uns Europäer fast schon eine Art Kulturschock: Knallbunt, weit weg von jedwedem Realismus und voller Phantasie. Fremd ist nicht nur die Optik, auch die Akustik ist rasant, folgt keinem Trend und ist deshalb schwer einzuordnen. Kein Wunder, dass mich Beautiful Katamari an vergangene Zeiten erinnert, als Videospiele noch in einer Nische feststeckten und der gemeine Pöbel nicht wusste was er damit anfangen soll. Durch und durch japanisch ist auch das Spielprinzip: Mit einer klebrigen Kugel bewaffnet sammelt ihr alles auf was euch in die Quere kommt, nur um immer größer und größer zu werden...



Viel mehr muss man bei Beautiful Katamari eigentlich gar nicht erklären. Alle Objekte die kleiner sind als eure klebrige Kugel, bleiben an selbiger haften und machen euch immer ein kleines Stückchen größer. Wer das verinnerlich hat, der beginnt als kleines Licht z.B. in einem Lebensmittelgeschäft und rollt munter über Bonbons, Büroklammern oder Schlüssel, bis plötzlich mehr möglich ist. Flaschen, Kochtöpfe oder Thermoskannen zum Beispiel. Wer wächst, der überwindet recht zügig die vielen Hindernisse und schaltet neue Levelabschnitte frei. Jetzt sind es schon Stühle, Waschmaschinen oder Autos die an euch kleben bleiben und am Ende womöglich der ganze Laden.

Das Konzept ist absonderlich und irritierend, aber zugleich simpel und faszinierend. Es macht unheimlich viel Spaß durch die Level zu rollen und sich daran zu erfreuen, dass euer Katamari immer größer wird. Am Bildschirmrand gibt es eine Größenanzeige und euer stets gut gelaunter Vater will den fertig gerollten Planeten innerhalb eines bestimmten Zeitlimits vorgeführt bekommen. Außerdem beäugt er das fertige Katamari sehr streng. Es kommt nämlich auch darauf an, was für Gegenstände ihr aufnehmt. Um beispielsweise Pluto nachzubilden, sollten es vornehmlich kalte Objekte sein. Meidet deshalb Dinge wie Lagerfeuer, Chili oder andere eher feurige Zutaten. Dadurch wird gewährleistet, dass ihr nicht nur öde durch die Gegend kullert, sondern wirklich ein straffes Programm absolvieren müsst. Der Prinz steuert sich dabei eigentlich recht simpel. Drückt man beide Analogsticks nach vorne rollt ihr geradeaus, nutzt man nur einen sind auch Drehungen auf der Stelle möglich. Sehr wichtig ist ein kurzer Schub, mit dem sich einige kleinere Hürden leichter überwinden lassen. Nach jedem Level gelangt ihr auf die Hauptkarte zurück, von der aus die Missionen ausgewählt werden können. Hier laufen zahlreiche witzige Cousins rum, die sich in den Welten von Beautiful Katamari versteckt haben. Außerdem könnt ihr eure Kollektion vervollständigen, also alle Gegenstände aufsammeln, und darüber hinaus diverse Geschenke ergattern.



Das Schöne ist, dass ich mich beim Spielen eigentlich die ganze Zeit an Beautiful Katamari erfreuen kann. Es ist völlig problemlos auch mal zwischendurch spielbar, kann aber auch mit einer ausgefeilten Taktik gespielt werden. Wer Highscores knacken will braucht eine klevere Route und muss genau wissen was er wo einsammelt. Hinzu kommt das herrlich japanische Flair: Die Technik habe ich oben schon kurz angesprochen, jedoch glaubt man das alles erst wenn man es sieht. Menschen beispielsweise, sind nur wild zappelnde, ziemlich quadratische Figuren, dafür gibt es hier und da einen Berg von Xbox 360 Controllern oder einen ganzen Jahrmarkt, der euch im fortschreitenden Spielverlauf zum Opfer fällt. Es macht einfach Spaß und im Geiste feuert man sich ständig selber an, will wachsen und sehen was passiert. Der Einfallsreichtum der Entwickler war sehr groß und offensichtlich erfreuten sie sich genauso sehr am Unkonventionellen, wie ich es jetzt tue. Umso tragischer ist sicherlich der größte Kritikpunkt an Beautiful Katamari, nämlich der Umfang. Das Spiel ist sehr schnell beendet und nur wer - ebenfalls typisch japanisch - Lust auf Rekorde etc. hat, wird auf Dauer unterhalten.

Weniger fasziniert hat mich der Mehrspieler, der nur für ein paar Runden gut ist und dessen Konzept man eigentlich kaum auf Dauer ernst nehmen kann, da der Sieger hauptsächlich Glück braucht, kein Können. Die Erfolge sind mir persönlich auch nicht funky genug, aber was will man machen. Beautiful Katamari bietet ansonsten sehr wenig Angriffsfläche für Kritik, da es die Dinge ganz bewusst anders macht und ein Vergleich mit anderen Spielen deshalb gar nicht möglich ist. Wäre da nicht die enorm kurze Spielzeit, es hätte die Bestnote gegeben.



Note: gut

 
Genre: Sonstiges

Entwickler: Namco Bandai
Publisher: Namco Bandai

Release: Februar 2008
getestet: Juli 2008 // Xbox 360 // pal deutsch