blindesehenlahmegehen

Akrobatik mit Buchstaben

   
Start
Artikel
Testberichte
Xbox One
Xbox 360
braune Momente
 
 
 

Call of Duty : World at War

Imposantes Comeback für den Zweiten Weltkrieg

 
Es ist schon ein wenig makaber, wenn man sich klar macht, dass der Zweite Weltkrieg mittlerweile ein echter Verkaufsschlager geworden ist. Im Bereich der Unterhaltungsmedien war, zumindest in der Spielebranche, eine Weile lang Ruhe. Doch jetzt kommt Activision zurück. Der fünfte Teil der Call of Duty Serie führt euch in die 1940er und hinein in tödliche Häuserkämpfe und den grausamen Krieg im Pazifik. Treyarch hat den Titel entwickelt und mit moderner Hightech Kriegsführung a la Modern Warfare ist es bei Call of Duty erstmal vorbei.

Das missfällt vielen, wirkt es doch fast wie ein Rückschritt, bzw. lässt auf den ersten Blick den vielfach verlangten frischen Wind vermissen. Wer allerdings mal selber zum Gamepad greift, stellt nach einigen Stunden fest - mitunter verschwitzt und leicht zitternd - dass World at War ein wahrer Paukenschlag ist. Schnell, fordernd, gnadenlos und mit einer Kampagne die ziemlich intelligent in zwei Handlungsstränge aufteilt ist. Im Pazifik kämpft ihr in der Haut eines amerikanischen Soldaten gegen die japanische Armee, die euch vor allem in Bunkersystemen und im Dschungel das Leben schwer macht. Als Kontrast dazu führt euch der Weg auch ins düstere Berlin, das mittlerweile in Flammen steht und von den Russen überrannt wird. Erzählt wird der Krieg mit echten Filmschnipseln und ziemlich stylischen Zwischensequenzen, was ebenfalls irgendwie zuviel des Guten ist. Nicht von der Hand weisen kann man jedoch, dass es für Atmosphäre sorgt.



Die ist ein Markenzeichen von Call of Duty und erneut schaffen es die Entwickler euch in mehr als packende Gefechte zu verwickeln. Unnachgiebige Gegner belegen euch mit Sperrfeuer und hüllen euch in einen Hagelsturm aus Granaten, während ihr in Deckung rennt und eure Gegenoffensive überdenkt. Wie immer fühlt sich Call of Duty dabei sehr direkt und sauber an. Die Steuerung funktioniert tadellos und das flüssige Spiel ist rasant und wild. Ruhe und Verschnaufpausen sucht man vergebens, stattdessen seid ihr Teil eines lauten Schlachtfeldes und immer mittendrin. Wie intensiv eure Spielerfahrung ist, wird vom Schwierigkeitsgrad maßgeblich beeinflußt. Während nur echte Veteranen sich auf dem Höchsten durch das Spiel feuern, sollte jeder andere wenigstens 'Hardened' auswählen. Alles darunter wird dem Spiel nicht gerechtet. Wie schon erwähnt, ist der Kontrast von Pazifik und Berlin klever gewählt, auch spielerisch. Der Pazifikkrieg ist oft taghell, man trifft den Feind im dicht bewachsenen Dschungel, aber auch auf großen weiten Flächen. Ihr habt den Flammenwerfer zur Hand, der in den verwinkelten Bunkersystemen euer bester Freund wird, nicht selten muss man die Japaner aber auch aus den Bäumen brennen. Die wiederrum nutzen das Terrain u.a. für hinterhältige Angriffe aus der Deckung und erfordern ein aufmerksames Auge. Berlin auf der anderen Seite, ist deutlich beklemmender, spielt sich fast bedrückend. Hier sind es enge Häuserkämpfe, kleine dreckige Schlachten um jeden Meter. Dadurch, dass sich die Missionen abwechseln, hält euch Treyarch bei der Stange.



Optisch unterscheiden sich beide Kampagnen ebenfalls nicht zu knapp, was die nötige Abwechslung bringt. Die Grafik ist wie immer sehr schnell, klar und überzeugt in erster Linie mit tollen Effekten. Eine deutliche Entwicklung ist aber nicht zu erkennen. Beim Sound auch nicht, allerdings ist der schon in Episode Vier am Limit gewesen. Auch World at War verwandelt euer Wohnzimmer in ein grausames Schlachtfeld, bei dem es ununterbrochen scheppert, kracht und donnert. Nicht nur die Grafik wurde nicht optimiert, auch spielerisch tappt man ein wenig auf der Stelle. Vor allem im direkten Vergleich zum Vorgänger wirkt World at War wenig verbessert, was u.a. serientypische Eigenheiten betrifft: Richtig in Deckung gehen kann man nach wie vor nicht. Schlimmer noch sind unsichtbare Grenzen im Spiel. Verharrt man an bestimmten Positionen, stürmen unendlich viele Feinde nach. Erst wenn man jene Grenze 'getriggert' hat, gehts weiter. Gleiches gilt für eure Mitstreiter. Zwar ist es toll immer jemanden an seiner Seite zu haben, man weiß aber auch ganz genau, dass der Tod eines Kameraden völlig bedeutungslos ist, da sowieso jemand nachkommt. Zu guter Letzt sei noch das zweischneidige Schwert angesprochen, die gescripteten Events. Ohne sie wäre Call of Duty weniger atmosphärisch und die Entwickler könnten euch nicht das bieten was sie tun. Dennoch sieht man bei der Konkurrenz, dass weniger manchmal mehr ist.

Bei Teil 2, also dem ersten Call of Duty auf der 360, war ich noch kein Freund des Mehrspielers. Diesen kann man mittlerweile gar nicht mehr ignorieren: Erneut gibt es in den Online Gefechten zahlreiche Möglichkeiten z.B. eure Ausrüstung einzustellen oder mit Spezialfähigkeiten zu verteilen. Darüber hinaus ist die Killcam wieder dabei und die prall gefüllten Lobbys sorgen für wochenlange Unterhaltung. Neu und wirklich eine Bereicherung ist der kooperative Mehrspieler, der endlich seinen Weg in die Serie gefunden hat. Spielt alle Missionen ganz normal oder in einem speziellen Highscore Modus, der bestimmte Aktionen mit Punkten belohnt. Mit an Bord ist zudem der Nazi Zombie Modus, bei dem man einer nicht enden wollenden Armee untoter Soldaten den Garaus machen soll. Witzig, aber nicht unbedingt mein Fall.

World at War ist ein durchaus interessantes Comeback des Zweiten Weltkrieges. Treyarch hat sich auf alte Stärken verlassen, was reicht, aber nicht beeindruckt. Natürlich ist Call of Duty auch diesmal wieder ein tolles Unterhaltungspaket und verbindet einen heftigen Singleplayer mit einem umfassenden Mehrspieler. Dennoch dürfte der fehlende Schritt nach vorne vielen missfallen. Mir zwar auch, aber ich wusste ja auch was ich mir kaufe. Dementsprechend wurde ich auch nicht enttäuscht.



Note: gut

 
Genre: Ego Shooter

Entwickler: Treyarch
Publisher: Activision Blizzard

Release: November 2008
getestet: Januar 2009 // Xbox 360 // pal uk