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Silent Hill : Homecoming

Bad Trip

 
Das hat Konami geschickt gemacht: Auf einem exklusiven Event durfte ich in meiner Rolle als Redakteur in einem Kellergewölbe die ersten Schritte durch Silent Hill wagen. Wenige Wochen später rotiert jetzt das Spiel in meiner Konsole, das mit 'Bad Trip' ziemlich gut beschrieben ist. Der absurde Alptraum der sich euch eröffnet ist ekelerregend und bizarr, dabei aber gleichermaßen faszinierend. Das sind die altbekannten Stärken von Silent Hill, überraschend ist das also nicht. Entwickelt wurde Homecoming in den USA, was sich nicht positiv auf das Spiel ausgewirkt hat. Jedoch auch bei weitem nicht so negativ wie oft behauptet wird. Nein, die Serie bewegt sich ein bisschen weg von Rätselkost und Kopfkino und rückt stattdessen die Action weiter in den Vordergrund. Doch keine Sorge, Schusswaffen gibt es kaum, die Atmosphäre ist gewohnt hochkarätig, der Horror eher subtil und auf einen Mehrspieler hat man auch verzichtet. Wenngleich der Titel also nicht aus Japan kommt, sollte jeder ihm eine Chance geben.

Somit ist die Wahl der Hauptfigur vielen vermutlich das größte Dorn im Auge. Alex Shepherd ist nämlich kein unbeschriebenes Blatt, sondern seines Zeichens ein Soldat. Das Spiel beginnt mit seiner Reise zurück in seinen Geburtsort, Shepherds Glen, den jeder andere Mensch wohl umgehend wieder verlassen hätte. Denn eine normale Kleinstadt ist das nicht mehr... Obwohl Alex das ebenfalls bemerkt, wird er angezogen von diesem Ort und macht sich auf die Suche nach seinem kleinen Bruder Joshua. Wer die Serie kennt, der ahnt schon das Joshua nicht bei einem Freund im Baumhaus ein paar Comics liest, sondern sich in Shepherds Glen ganz andere Dinge abspielen. Eine alptraumhafte Odyssey beginnt, schlimmer als man sich vorstellen mag, mit reifem und intelligenten Plot, faszinierenden Figuren und grandiosen Schauplätzen.



Spielerisch haben sich die amerikanischen Entwickler nicht weit aus dem Fenster gelehnt. Silent Hill : Homecoming nimmt sich die Vorgänger zum Vorbild und bringt deshalb bekannte Stärken und Schwächen mit in die neueste Episode. Gut gefallen hat mir die Rückkehr der Ringmenüs, die euch nach Aktivierung über die Schultertasten schnell und übersichtlich mit Waffen, Heiltränken und Co. versorgen. Auch kann man hier gefundene Objekte näher untersuchen und den ein oder anderen Hinweis entdecken. Noch besser ist die Karte, die automatisch aufzeigt wo es nicht weitergeht - wie immer eine große Hilfe. Gesteuert wird Alex mit beiden Analogsticks, was gut funktioniert. Die Kämpfe jedoch wirken wie immer etwas steif. Es war nie eine Stärke der Serie und auch bei Homecoming gehen diverse Aktionen ins Leere. Um sich gegen auftauchende Ungetüme zu rüsten bedarf es zunächst eurer Kampfhaltung und dann einiger gekonnter Hiebe. Enorm wichtig sind Ausweichschritte- und Rollen, da diese einem mitunter das Leben retten. Es stellen sich euch absonderliche Kreaturen in den Weg, meist widerlich zuckend und oftmals ohne erkennbares Gesicht das man ins Visier nehmen könnte. Das Design von Monstern und Umgebung ist sicherlich nicht makellos, trägt aber viel zur gelungenen Atmosphäre bei. Mir hat Homecoming diesbezüglich nicht weniger gut gefallen als die Vorgänger. Tolle Schauplätze, abartige Gegner und schön ausgearbeitete, ziemlich abgefuckte Charaktere. Die Kämpfe, wenngleich eher ungelenk, tragen trotzdem viel zur Stimmung bei, da sie euch den Angstschweiss auf die Stirn treiben und jeder Kampf euer letzter sein könnte. Nur wer sich nicht umzingeln lässt und obendrein für jedes Monster den richtigen Konter bereit hält, überlebt. Übrigens verteidigt sich Alex in erster Linie mit Beil, Stahlrohr und Axt. Trotz seiner Kampferfahrung bei der Armee bleiben Pistolen und andere Schusswaffen quasi außen vor.



Eingangs erwähnt habe ich den Rückgang von Rätseln, dennoch werdet ihr hin und wieder motiviert eure Grauen Zellen zu aktivieren. Schalterrätsel haben ebenso den Weg ins Spiel gefunden wie einige Textknobeleien. Untersucht dazu die Umgebung, herumliegende Gegenstände und werdet kreativ. Die Lösungen findet ihr in alten Notizen oder Aufzeichnungen, hin und wieder auch ein paar Räume oder Etagen weiter. Das Spieltempo ist immer noch eher langsam, was ziemlich gut zu Geschichte und Atmosphäre passt. Was die Technik angeht, so haben die Entwickler den Einsatz von Grieselfilter und dichtem Nebel mittlerweile perfektioniert. Immer wieder schnellt der Puls in die Höhe, wenn sich Etwas zuckend aus der Dunkelheit schält und die Atmosphäre ist dicht und stimmig. Trotzdem hätte man wesentlich mehr aus Homecoming heraus holen können, insbesondere was die Animationen und teilweise auch die Texturen betrifft. Zwar sind die Kulissen toll ausgeleuchtet, für die Oberliga reicht das Dargebotene unterm Strich aber nicht. Ganz anders der Sound, ein Markenzeichen der Serie. Ich bin zwar nicht überrascht, aber trotzdem voll des Lobes, denn erneut gelingt das Zusammenspiel aus Musik und Effekten. Fast schon beruhigende Melodien gaukeln euch eine Art Harmonie vor, die von nicht zu ortenden und grausamen Effekten direkt wieder zerstört wird. Das Ergebnis ist eine fast schon verstörende Akustik, also genau das was sich alle Fans der Serie wünschen.

Homecoming ist ein solides Action Adventure, das mich dank unterschiedlicher Abspänne eine Weile lang ans Pad fesseln konnte. Die freispielbaren Extras finde ich sehr gelungen und der Ruck in Richtung Action stört weniger. Denn trotz eben jenes Rucks und der ausgebliebenen Innovation bleibt Silent Hill einzigartig. Lange habe ich überlegt ob es für ein 'gut' reicht, und mich schlussendlich dafür entschieden, wenngleich das eine unheimlich knappe Entscheidung gewesen ist.



Note: gut

 
Genre: Action Adventure

Entwickler: the Collective
Publisher: Konami

Release: Februar 2009
getestet: März 2009 // Xbox 360 // pal uk // Promo