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Resident Evil 5

Terror auf dem Schwarzen Kontinent

 
Es ist fast so, als hätte Chris Redfield das große Los gezogen. Afrika heißt sein Reiseziel, Wiege der Menschheit, Heimat einer exotischen Tier- und Pflanzenwelt und Sonne ohne Ende. Leider ist der Trip aber nicht ganz freiwillig und was Chris noch nicht weiß: Der Las Plagas Virus ist ausgebrochen. An Entspannung oder Safari ist also nicht zu denken und schnell wird euch als Spieler klar, dass Resident Evil 5 kein friedlicher All Inclusive Urlaub geworden ist...

Das ist gut. Erstens bin ich kein Freund von Urlaub und zweitens hat Capcom statt schlechten Animateuren und billigen Buffets lieber ein paar sehr fähige Entwickler eingekauft. Resident Evil 5 ist ein unglaublich gutes Spiel geworden, geht in vielen Belangen neue Wege und bietet feinste Action Unterhaltung. Muffige Herrenhäuser oder verregnete Nachthimmel gibt es nicht mehr. Diesmal tritt man den Zombies unter gleißend hellem Sonnenlicht in den Arsch und versucht ganzen Horden Infizierter zu entkommen. Spielerisch orientiert sich die fünfte Resi Episode dabei am erfolgreichen direkten Vorgänger, der damit begonnen hat die Serie auf einen neuen Pfad spielerischer Freiheit zu führen.



Das bedeutet im Klartext, dass es erneut keine feste Kameraposition gibt und Protagonist Chris agil und flink unterwegs ist. Vorbei ist die Zeit von Heilkräutern und steifen Fluchtversuchen. Ihr könnt häufiger und vielfältiger mit der Umgebung interagieren und müsst in diversen Quick-Time-Events eure Fingerfertigkeit unter Beweis stellen. Kurz gesagt: Der Schwerpunkt liegt erneut auf Action, weniger auf Rätseln. Alleine muss Chris sich nicht gegen die Feinde zur Wehr setzen. Euch zur Seite gestellt ist die hübsche Sheva Alomar, die im Einzelspieler von der CPU gesteuert wird. Das funktioniert bemerkenswert gut: Sheva bringt sich selbst vorteilhaft in Position, ist zielsicher aber nicht zu risikofreudig. Durch die spielerische Zusammenarbeit mit dem Partner, den vielen Dialogen und dem dadurch ziemlich imposanten Teamfeeling, verdichtet sich die Atmosphäre enorm. Ohnehin hat Resident Evil 5 in dieser Hinsicht alles richtig gemacht: Teil 5 ist für Einsteiger verständlich, offenbart für Fans der Serie darüber hinaus viele interessante Details und wird in rasanten und überspitzen Zwischensequenzen vorgetragen. Ich liebe es. Die vielen tollen Unterbrechungen verbinden die fast schon bizarre Mischung aus Afrika als neuem Schauplatz und vielen Traditionen der Serie, wie dem Umbrella Konzern. Was genau dahinter steckt muss aber jeder selber erspielen.

Auf der Strecke geblieben ist, wenn man so will, der Gruselfaktor. Die Serie legt seither viel Wert auf ein paar Momente des Schreckens und ein dauerhaft beklemmendes Gefühl. Dies nach Afrika umzusiedeln war sicher nicht einfach. Erstaunlicherweise gelingt Capcom das aber trotzdem, nur auf andere Art und Weise. Wie schon bei Teil 4 ist es nicht ein schlurfender Zombie am Ende des Flures der euch die Haare zu Berge stehen lässt, sondern die Angst überrannt zu werden. Die Infizierten sind nie allein, können Rennen, Klettern und brüllen euch unverständliches Zeug entgegen. Wenn davon jetzt ein ganzer Haufen, bewaffnet mit Knüppeln und stumpfen Klingen, auf euch zu stürmt, dann es ist Panik die sich eurer bemächtigt. Es wird bisweilen hektisch und durch das Fehlen eines Rückzugsortes wird eine bedrückende Stimmung erzeugt. Das schaffen leider nicht alle Missionen und klar ist auch, dass Resident Evil 5 sich hiermit weiter vom klassischen Survival Horror entfernt.



Chris und Sheva können beide mit diversen Waffen umgehen, sind im Nahkampf geschult und unterstützen sich bei Gefahr gegenseitig. Im Shop kann man die Waffen zudem nach und nach aufbessern, was für ordentlich Motivation sorgt. Bezahlt wird mit Edelsteinen und Antiquitäten die ihr in den Leveln aufspüren könnt. Wer sich in jenem Shop auch um Munition und Granaten bemüht hat, der feuert aus allen Rohren auf die mehr oder weniger untoten Feinde, schießt ihnen in die Beine um sie zu verlangsamen oder nutzt die Wucht der Schrotflinte um ihnen den Kopf wegzureissen. Brutal ist Resident Evil auch diesmal wieder, dank der Power von Xbox 360 und PS3 ist die Gewaltdarstellung intensiv und packend. Die Präsentation ist ohne jeden Zweifel ein Trumpf von Resi. Die Optik brachte mich auch nach einigen Stunden im Spiel immer wieder zum Staunen, egal ob es dabei um prächtig designte Level, die feinen Animationen, die gewaltigen Endgegner, die unterhaltsamen Cutscenes oder die Liebe zum Detail geht. Resident Evil 5 spielt ganz oben mit und wäre perfekt, wenn da nicht relativ starkes Tearing wäre. Davon abgesehen ein echter Hingucker, der auch die 5.1 Anlage ordentlich auf Touren bringt.

Dadurch, dass erspielte Gegenstände nach dem Durchspielen in eurem Profil erhalten bleiben, wird Resident Evil 5 relativ schnell für Highscorejäger interessant. Man wagt sich an den hohen Schwierigkeitsgrad, versucht seine Zeiten und Abschussquoten zu verbessern und erfreut sich an neuen Kostümen. Das passiert bei mir nicht oft, aber ich habe Resi wirklich von hinten bis vorne mehrfach komplett durchgespielt. Einen großen Anteil daran hat der Mehrspieler. Kooperativ geht es durch das Abenteuer und es funktioniert einfach tadellos und richtig, richtig gut. Nicht zuletzt deshalb betrachte ich die Entwicklung von Resident Evil mit großer Freude. Sicher, hier und da könnten mal wieder ein paar Kopfnüsse mit ins Spiel einfließen, in Sachen Unterhaltungswert, Präsentation und Motivation hat mich aber keine Episode so konsequent ans Pad gebunden.



Note: sehr gut

 
Genre: Action

Entwickler: Capcom
Publisher: Capcom

Release: März 2009
getestet: August 2009 // Xbox 360 // pal deutsch