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Battlefield : Bad Company 2

Stell dir vor, es ist Krieg, und alle gehen hin

 
"Verdammte Scheisse, ich brauch' einen verfickten Sani!" Ich sah wie er zu Boden ging. Das bizarre Geräusch einer einschlagenden Kugel peitschte durch die Luft. Er sackte in sich zusammen, noch bevor ich dazu in der Lage war ihn aufzufangen. Blut schoss dunkelrot aus der Eintrittswunde. Ich schrie, riss mein Maschinengewehr nach oben und feuerte wie besessen in alle Himmelsrichtungen - es war ein Scharfschütze. Erst das laute Rumoren eines herannahenden Panzers riss mich aus der Trance. Der Boden vibrierte und in der Ferne waren Kanonenschläge und Gewehre zu hören. Das Vibrieren wurde zu einem ohrenbetäubenden Brummen, bis plötzlich der gewaltige Panzer wenige Meter neben mir zum Stehen kam. Ich riss die Waffe hoch und feuerte weiter in den Dschungel, während der Sanitäter sich um meinen Freund kümmerte. Dann brach die Hölle über uns herein...



Ja, ich gestehe: Bad Company 2 habe ich zumeist im Mehrspieler genossen. Situationen, wie die gerade beschriebene Szene, kommen häufiger vor, häufiger als in anderen Spielen. Das liegt, unter anderem, an der schieren Größe von Battlefield. Die Karten sind so groß, dass sie problemlos gleich mehreren Leveln aus anderen Ego Shootern Platz bieten würden. Auf diesem riesigen Spielplatz dürft ihr tun und lassen was ihr wollt. Euch stehen Panzer, Hubschrauber, schnelle Quads und Jeeps zur Verfügung, die ihr alleine oder gemeinsam mit Freunden besetzen könnt. Damit stürmt man im Idealfall vor bis ins feindliche Lager und richtete dort Chaos an. Vier Charakterklassen hat DICE uns geschenkt, wobei davon alle unheimlich interessant sind und sich hervorragend spielen. Der Sanitäter kann beispielsweise Medikits verteilen, während der Sturmsoldat für neue Munition sorgt. Der Pionier repariert beschädigte Fahrzeuge und der Scharfschütze koordiniert Mörserschläge. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Waffen, Abzeichen, Statistiken und die herrliche Tatsache, dass die Performance stimmt. Da jederzeit Leute dem Spiel beitreten können, kommt es nie zu Abbrüchen und nur in Ausnahmefällen zu Wartezeiten. Aus spielerischer Sicht erfreut man sich vor allem an einigen Variablen: Dank der zerstörbaren Umgebungen sieht das Schlachtfeld nach einigen Minuten schon ganz anders aus als zu Beginn. Die vorhin noch sichere Deckung kann wenig später nichts mehr wert sein. Denkbar ist also jedes Szenario, von der weitläufigen Stellungsschlacht, bis zum intensiven und schnellen Häuserkampf. Bad Company 2 macht im Mehrspieler sogar ohne Hilfe von Freunden Spaß. Kein Wunder also, dass die wenigen Spielmodi das Vergnügen nicht schmälern können.



Wie man am Namen schon hört, gab es auch mal eine erste Bad Company Episode. Auch diese habe ich geliebt, allerdings ein bisschen mehr wegen des Singleplayers. Ich weiß nicht genau warum, aber in der Fortsetzung macht dieser mich nicht so sehr an. Preston Marlow ist erneut euer Alter Ego und nach wie vor Mitglied der Bad Company, noch immer ein vier Mann starker Einsatztrupp, der mehr oder weniger inoffiziell direkt hinter den feindlichen Linien agiert. Der Plot ist ohne jeden Zweifel gut präsentiert, lässt mich aber völlig kalt: Die USA befinden sich im Krieg mit Russland, es gibt eine gefährliche Geheimwaffe und deshalb tourt ihr durch Bolivien, eben jenes genannte Russland, Chile und auch in den Anden seid ihr im Einsatz. Der Erstling punktete vor allem durch die tolle Atmosphäre im Team, witzig, ironisch, markant, einer 'schlechten Gesellschaft' würdig. Das fehlt im Nachfolger, wobei auch dieser die individuellen Stärken und Ticks des Teams ansprechend hervorhebt.

Wenn das Gameplay im Mehrspieler stimmt, dann funktioniert das auch im Einzelspieler, richtig? Richtig! Die Steuerung überzeugt und problemlos bahnt ihr euch den Weg durch die ausladenden Level, wobei eure Vorgehensweise durchaus eingeschränkter ist als im Multiplayer. Häuser in Schutt und Asche bomben gehört aber trotzdem zu eurem Repertoire, ebenso wie der Gebäudekampf und die oberflächliche Zusammenarbeit mit eurem Team. Das wichtigste ist jedoch, dass Battlefield erneut sehr viel Spaß macht und trotz nachlassender Faszination einen sehr hochwertigen Eindruck hinterlässt. Besonders viel Wert hat DICE natürlich wieder auf die Optik gesetzt. Das Spiel beeindruckt mit vielen Details, tollen Farben, dem beeindruckenden Gefühl für Größe und der grandiosen Atmosphäre. Tolle Explosionen, herrliche Weitsicht und gelungene Animationen. Nicht vergessen darf man bei der Technik den Sound, der mich fast umgehauen hat. Brachiales Sperrfeuer bei Maschinengewehren, druckvolle Einschläge von Granaten und wie ein Gewitter rattert die Gatling Gun eures Hubschraubers auf die Feinder herunter. Das alles macht Battlefield : Bad Company 2, trotz Abstrichen in Sachen Einzelspieler, zu einem echten Erlebnis - dreckig, laut und wuchtig.



Note: sehr gut

 
Genre: Ego Shooter

Entwickler: DICE
Publisher: EA

Release: März 2010
getestet: Juli 2010 // Xbox 360 // pal deutsch // Limited Edition