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Halo Reach

...denn Unser sind viele

 
Bei der Überschrift handelt es sich um ein hübsches Bibelzitat von Luzifer persönlich. Ich finde es passt ganz ausgezeichnet zu Halo Reach, da es vieles bedeuten könnte. Den Mehrspieler zum Beispiel, mit prall gefüllten Lobbys. Oder die große Fangemeinde, die Reach schon Monate vor dem Release für sich reserviert hat. Meinen könnte es natürlich auch die Spartans, jene Elitekrieger von denen es einst viel mehr gab als nur den Master Chief. Halo Reach spielt vor den anderen Teilen von Halo und bringt uns ein Kapitel näher, einige Zeit bevor der Master Chief aus seinem Kryoschlaf erwacht. Bei Reach schlüpft man in die Rolle von 6, dem neuesten Mitglied des Noble Teams. Einem kleinen Spezialtrupp, der beim Angriff auf den Planeten Reach an vorderster Front kämpft.

Das Prequel zu allen anderen Halo Spielen erzählt auf eindrucksvolle Art und Weise von der Schlacht um Reach, der letzten Verteidigungslinie vor der Erde. Die Allianz, ein Verbund außerirdischer Rassen, kämpft zwar schon lange gegen die Menschen, einen derartigen Angriff hat es aber noch nicht gegeben. Allein dieser Fakt, nämlich das man kein Comeback des Master Chief erlebt, bringt ordentlich frischen Wind ins Spiel. Zwar ist die Handlung nicht unbedingt überraschend, Bungie hat sich aber mit vielen Zwischensequenzen, der herausragenden Atmosphäre und der tollen Präsentation mein Lob redlich verdient.



Atmosphäre und Stimmung sind schon immer ein großer Pluspunkt von Halo gewesen. So ist auch bei Reach jeder Kampf anders und wird durch euer Verhalten, aber auch durch die KI der vielen Gegner verändert und beeinflusst. Auf gescriptete Events verzichtet Bungie seit jeher. Damit euch bei den Konfrontationen nicht langweilig wird, stehen euch wieder zahlreiche Fahrzeuge zur Verfügung, deren Handhabung schnell in Fleisch und Blut übergeht. Nach all den Jahren macht es noch immer so viel Spaß in einem Warthog durch die Gegend zu brettern wie am ersten Tag. Das Spielgefühl ist einfach unnachahmlich. Gleiches gilt übrigens auch für die Granaten. Die fliegen bei Halo zwar in hoher Frequenz, aber es macht auch in keinem Ego Shooter so viel Spaß.

Weiter verbessert hat Bungie die KI der Gegner. Für so klever hatte ich Grunts, Brutes oder die Eliten gar nicht gehalten. Vor allem auf den höheren Schwierigkeitsgraden werden die Aliens zu echten Taktikern. Sie stecken viel ein, verstecken sich, feuern zielsicher und im Verbund. Trotzdem ist der 'legendäre' Schwierigkeitsgrad eine Herausforderung die man bewältigen will. Vor allem zu Zweit sollte man Halo so erleben. Die Kämpfe zu Fuß, im Fahrzeug, mit Snipergewehr oder Granaten würden nicht so viel Spaß machen, wäre die Steuerung nicht wieder optimal aufs Pad abgestimmt. Das erwähne ich sonst nicht extra, Halo fasziniert mich in dieser Hinsicht aber seit Teil 1. Umso trauriger ist es, dass für die KI eurer Mitstreiter offensichtlich keine Ressourcen mehr zur Verfügung standen. Der Rest des Noble Teams agiert stellenweise mehr oder weniger hirnlos, vor allem in Fahrzeugen.

Die restlichen Rahmenbedingungen sind gewohnt gut und hochqualitativ. Spielerisch hat sich ansonsten nicht allzuviel getan, was dem Genre aber auch schwer fällt. Da ist es schön zu sehen, dass Halo noch immer seinen ganz eigenen Reiz hat und schnell so unterhaltsam ist, dass man nicht mehr aufhören kann zu spielen. Doch auch die beste Serie verliert irgendwann ihren Charme. Halo ist mit dieser vierten Episode mittlerweile an einem Punkt angelangt, an dem mir persönlich nach mehr zu Mute ist. Gleiche Gegner, gleiche Effekte, gleiche Fahrzeuge, gleiches Erlebnis. Dass Halo farbenfroher ist als andere Shooter und mit pinken Needlerschüssen und Co. aufwartet, das ist bekannt und auch beliebt. Nur reicht es nicht mehr einfach nur die Aliens intelligenter zu machen und schickere Level zu programmieren. Nach dem Durchspielen ist klar: Ein neuer Teil braucht Innovation und noch viel mehr frischen Wind.



Trotz toller Texturen ist Halo Reach technisch ein gutes Stück davon entfernt die Ego Shooter Referenz zu sein. Ruckler, stellenweise enormes Kantenflimmern und hier und da zu wenig Details - die Engine geht langsam aber sicher in die Knie. Immer wieder überzeugend und auf absolut hohem Niveau, sind die gewaltigen Schlachten an sich. Keine engen Räume, Tunnel oder ähnliches. Open Air, Fahrzeuge, Gebäudekonstruktionen und viele, viele Gegner. Halo lässt es krachen. Diesmal übrigens auch am Himmel. Damit meine ich jetzt vor allem den Hintergrund. So einen schönen Himmel habe ich bislang in noch keinem Videospiel gesehen. Der Sound ist gewohnt gut. Granaten machen Druck, die Sprachausgabe ist gelungen und wenn die fantastische Musik ertönt, dreht man gerne lauter.

Der Mehrspieler kommt ohne Kritik davon. Er setzt gewissermaßen neue Maßstäbe und man war sich nicht zu schade auch erfolgreiche Elemente aus anderen Ego Shooter mit einzubauen. Mit diversen Modi, wie den Firefights, dem Matchmaking (und zahllosen Spielvarianten), der kooperativen Kampagne und der Forge World, dazu aber auch noch dem Kinomodus, seid ihr über Monate hinweg gut versorgt. Dazu kommen jetzt auch noch täglich neue Challenges und die Bungie Website führt Buch über eure Spiele. Prall gefüllte Lobbys, Credits die neue Rüstungsteile freischalten und immer mal wieder neue Updates - Halo Reach gibt euch das volle Programm! Ich komme nicht umhin zu denken, dass Bungie schon immer ein Reach im Sinn hatte: Nicht alles ist perfekt, aber das Gesamtbild ist beeindruckend und durchdacht. Die Räder greifen hervorragend ineinander und die wenigen Ungereimtheiten kann man getrost ignorieren.



Note: sehr gut

 
Genre: Ego Shooter

Entwickler: Bungie
Publisher: Microsoft

Release: September 2010
getestet: September 2010 // Xbox 360 // pal deutsch