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Call of Duty : Black Ops

Take down Castro with a headshot

 
Fast ein ganzes Jahr habe ich gebraucht, um den Test für Black Ops endlich fertig zu stellen. Der Grund dafür ist einfach: Ich habe das Spiel zwar kurz nach dem Launch gekauft, aber ungefähr zur Halbzeit das Interesse daran verloren. Auch wenn es so klingen mag, dem Spiel mache ich keinen großen Vorwurf. Es ist eher der Serie an sich geschuldet, da Call of Duty kaum einen Schritt nach vorne gemacht hat und ich deshalb eventuell ein bisschen Abstand brauchte. Kaum hatte ich mich nach einigen Monaten der Abstinenz wieder mit dem Spiel befasst, habe ich es umgehend durchgespielt.

Dass der Test mit so viel Verzögerung kommt hat interessante Vorteile. Ich weiß beispielsweise, wie unbeschreiblich gut sich Black Ops verkauft hat, dass es (wie immer) teure Kartenpakete zu kaufen gibt und der Mehrspieler nach wie vor gut besucht ist. Beginnen möchte ich aber mit dem Einzelspieler, der diesmal weder die Nazis, noch künftige Kriege im fernen Osten thematisiert. Nein, wir befinden uns mitten im Kalten Krieg und schlüpfen in die Rolle einiger US Amerikaner, die Teil einer Spezialeinheit sind und u.a. in Kuba, Vietnam und Russland kämpfen. Aufspüren und stoppen wollt ihr dabei die Entwicklung von Nova 6, einem absolut tödlichen Nervengas. Fast die komplette Geschichte wird in Rückblenden präsentiert; eine interessante Erzählstruktur die zum Weitermachen motiviert. Der Plot rückt nicht so schnell in den Hintergrund wie sonst und baut sogar eine gelungene Spannungskurve auf. Hat mir gut gefallen, jedenfalls ab der Hälfte.



Spielerisch tritt Treyarch hingegen ein wenig auf der Stelle: Black Ops nimmt Stärken und Schwächen der Vorgänger konsequent mit in die neue Episode, obwohl es mittlerweile diverse Konkurrenten gibt, die dieses und jenes besser machen. Nicht absprechen kann man den Entwicklern aber die Kunst eine direkte und konsequente Steuerung ins Spiel eingebaut zu haben, die mich wie immer begeistert. Auch die Schwierigkeitsgrade sind wieder gut gewählt und 'Hardened' sollte euch am besten unterhalten. Weniger gut gefallen die zahlreichen gescripteten Events, auf die man offensichtlich nicht verzichten kann oder will. Es gibt nach wie vor diverse 'unsichtbare Linien' die man überschreiten muss um Events zu triggern. Besonders frustrierend ist das an Stellen, an denen offensichtlich unendlich viele Feinde nachströmen, sofern man nicht weiter nach vorne marschiert. Die Kämpfe selber fühlen sich wie immer hervorragend an, allerdings auch so, als hätte man es schon häufig gespielt. Stimmt auch, denn egal ob man Feinde über Kimme und Korn ins Visier nimmt, Granaten wirft oder sich hinter einer Mauer in Deckung begibt - man hat das alles schon genau so im Vorgänger gemacht. Gewohnt hochwertig, mehr aber nicht. Wo ich gerade die Deckung erwähnt habe: Mehr als sich hinter Wände, Sandsäcke und Co. zu stellen ist erneut nicht drin. Ein richtiges Deckungssystem wie bei Gears, Rainbow Six oder anderen Konkurrenten nutzt Call of Duty nicht.



Was sich Treyarch stattdessen auf die Fahne geschrieben hat ist Action. Ein Garant für eine fulminante Inszenierung ist Call of Duty in jedem Fall: Gewehre rattern bis der Lauf glüht, Hubschrauber greifen euch mit Gatling Guns an, während die Kampfschreie von Freund und Feind aus den Boxen hämmern. Explosionen, Dauerfeuer und hin und wieder ein bisschen packende Musik - das Konzept geht erneut auf. Die Grafik ist wie immer sehr sauber, flüssig, verliert aber stellenweise an Glanz. Black Ops hat einige richtig beeindruckende Abschnitte, andere wirken wiederum leicht in die Jahre gekommen. Das erkennt man dann an den Texturen oder den Effekten, die eher aufgesetzt wirken. Dennoch baut Treyarch eine sehr dichte Atmosphäre auf und sorgt dank den unterschiedlichen Schauplätzen für ausreichend Abwechslung.

Der nun mehr siebte Teil der Serie ist weder ein Rückschritt, noch ein Fortschritt, sondern viel mehr ein neues Kapitel. Das sorgt für Kritik beim selbsternannten Videospiel-Adel und für Freude beim Massenmarkt. Ich selber finde, dass man um Call of Duty nur schwer herumkommt. Ja, es tritt auf der Stelle, dafür ist das Grundgerüst auf dem es basiert aber sehr hochwertig. Und wenn ich mir Call of Duty kaufe will ich in erster Linie eines - unterhalten werden.

Unterhalten wird man nicht nur im bislang betrachteten Einzelspieler, sondern insbesondere auch im umfangreichen Mehrspieler. Der ist auch viele Monate nach Release gut besucht und erlaubt euch wieder das Erstellen von Charakterklassen, die mit völlig unterschiedlichen Fähigkeiten, Emblemen und Waffen ausgerüstet werden können. Mich motiviert es, mal einen agilen, leichtfüßigen Krieger zu steuern und in der nächste Runde mit einem wuchtigen Maschinengewehr alles und jeden wegzupusten. Nimmt man Multi- und Singleplayer zusammen, so kommt dabei eine gute Mischung heraus. Der Umfang geht in Ordnung, Zombies gibts es obendrauf und auch wenn es zwischendurch mal an Motivation mangelte ist das Gesamtpaket ein guter Deal.



Note: gut

 
Genre: Ego Shooter

Entwickler: Treyarch
Publisher: Activision Blizzard

Release: November 2010
getestet: August 2011 // Xbox 360 // pal uk