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Shift 2 : Unleashed

Helmpflicht

 
"This is real racing" tönten die Entwickler schon Monate bevor man das erste mal Hand an Shift 2 legen konnte. Ein sehr markiger Spruch, ist die Serie doch für vieles bekannt, nur nicht unbedingt für ein realistisches Fahrgefühl. Hinter Shift verbirgt sich nämlich eigentlich und irgendwie das gute alte Need for Speed. Mittlerweile bin ich viele Runden in diversen Autos auf zig Strecken gefahren und kann dem Spruch weder zustimmen, noch als Lüge darstellen. Ehrlich gesagt ist er mir egal. Denn obwohl sich die Konkurrenten Forza und Gran Tourismo ein wenig echter anfühlen was das Handling betrifft, macht Shift 2 seine Sache hervorragend, teilweise besser. Eine solch intensive Helmkamera beispielsweise, habe ich bislang nirgends gesehen.

Dass es nicht darauf ankommt, wer nun die Referenz in Sachen Realismus ist, zeigt sich bereits nach wenigen Sekunden. Denn Need for Speed macht einfach von Beginn an Laune. Steigt in euer zunächst durchschnittlich schnelles Fahrzeug und startet mit den ersten Events. Nach und nach werden eure Fahrzeuge schneller, die Events schwieriger und die Lernkurve macht aus jedem Anfänger langsam aber sicher einen Profi. Die Turniere haben allesamt ihre Eigenheiten, was für ausreichend Abwechslung sorgt. Ausdauerrennen unterscheiden sich gewaltig von Driftevents, ebenso wie das Zeitfahren von normalen Rennen. Obendrein nehmt ihr nicht immer im hauseigenen Fahrzeug Platz, sondern arbeitet euch im Leihwagen nach vorne. Die Bezeichnung Leihwagen wird einem Lamborghini Reventón oder Porsche Carrera GT natürlich weniger gerecht... Electronic Arts hat Unleashed einen großen Berg diverser Rennstrecken dieser Welt geschenkt. Allein aus Deutschland wurden der Nürburgring, Oschersleben und auch der Hockenheimring integriert. Bis auf Le Mans ist so ziemlich alles dabei was einem Laien wie mir wichtig ist. Hatte ich nicht erwartet und bin entsprechend positiv überrascht. Weniger überraschend, trotzdem löblich: Bis auf Ferrari sind auch alle wichtigen Autohersteller mit dabei.



Die eingangs erwähnte Helmkamera ist übrigens jene, die ihr euch zu Eigen machen solltet, da man das Spiel durch die Frontscheibe hindurch sehr intensiv und packend erlebt. Es sieht besser aus als die 3rd Person Perspektive und EA schafft hier großartige Rennatmosphäre. Beeindruckend ist das Geschwindigkeitsgefühl, die 16 Fahrzeuge auf den Strecken, die flüssige Darstellung, das Schadensmodell und natürlich die herausragende Tatsache, dass man die Kurse alle auch nachts fahren kann. Dann wird Shift 2 übrigens direkt ein Stück schwieriger. Ohnehin kann man, je nach persönlichen Einstellungen und Vorlieben, ein beinhartes Spiel aus dem Racer machen. Die Konkurrenz ist bissig, fährt sehr beständig und ohne aktivierte Assistenten wird schon ein normales Rennen zur Rutschpartie. Da helfen nur geplante Überholmanöver und die vollständige Beherrschung des Gamepads. Gerade zu Beginn machen die schnellen Fahrzeuge nämlich einen durchaus unbeständigen und zittrigen Eindruck. So sauber und direkt wie bei der Konkurrenz ist Need for Speed dahingehend leider nicht.



Abseits der Rennstrecken wurde für euch ein umfangreiches Unterhaltungspaket geschnürt. Alle Fahrzeuge können in der Werkstatt nach Lust und Laune aufgemotzt werden. Das gilt für den Motor, aber auch für das Getriebe und die Bremsen. Viele Möglichkeiten, jedoch braucht man eigentlich nur Geld um die Upgrades einzubauen, kein Fingerspitzengefühl. Feiner wird's beim Tuning und der fleißige Spieler kann seine Änderungen auf Teststrecken ausloten. Nicht fehlen darf auch ein Programm zum aufhübschen eurer Vehikel, wobei mir das bei Shift 2 nicht so ganz gut gefällt wie bei den anderen NfS Episoden. Waum man beispielsweise die Vinyls erst sehr spät freischaltet, verstehe ich nicht. Schick sollte der Wagen doch schon zu Beginn sein?! Mit dabei ist auch euer Autolog, also eine Art Verbindung zum Rest der Community. Hier bekommt ihr sauber aufgelistet was ihr in eurer Karriere erreicht habt, könnt Rekorde sehen und Empfehlungen ausprobieren. Das funktioniert super und ist eine hervorragende Schnittstelle um Shift 2 auf Dauer interessant zu machen.

Ist man mit seiner Kiste am Ende auch mal zufrieden, kann man diese selbstverständlich auch Online ins Getümmel schicken, wobei die Lobbys mit bis zu 12 Spielern vollgemacht werden. Wie eigentlich fast immer bei Need for Speed kann es dabei zu Einschränkungen in der Performance kommen. Das stört aber - wie ebenfalls fast immer - weniger Leute als man vielleicht denken mag und so ist es trotz auftauchender Lags sehr unterhaltsam sich gegen den Rest der Welt zu behaupten.

Am Ende des Tages ist Shift 2 ein sehr gelungenes Rennspiel mit realistischem Anspruch. Ein paar gelungene Ideen treffen auf einen sehr abwechslungsreichen, aber zu kurzen Karrieremodus. Während man sich über Kursvielfalt und Motivation freut, wundert man sich hin und wieder über unruhig auf der Straße liegende Autos, ist aber unterm Strich zufrieden und kann mit dem Titel sehr viel Spaß haben.



Note: gut

 
Genre: Rennspiel

Entwickler: EA
Publisher: EA

Release: März 2011
getestet: Juni 2011 // Xbox 360 // pal deutsch // Limited Edition