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Gears of War 3

Ein gewaltiger Paukenschlag - das mitreißende Finale von Gears of War

 
In Vergessenheit geraten. Eine Urangst des Menschen, eine weitergedachte Vision der Bedeutungslosigkeit. Marcus Fenix und seinen Gears kann das nicht passieren. Das ist mir heute klarer denn je, denn gerade habe ich den dritten Teil von Gears of War beendet. Es war intensiv, es war heftig. Brutal, wild und atemberaubend. Und es hat sich gelohnt. Die epische Trilogie findet ein absolut würdiges Ende und lässt mich begeistert vor dem TV zurück.



Sera ist nur noch eine große Ruine, ohne Menschen, ohne Leben und ohne Hoffnung. Einst besiedelt um mit der Emulsion die Energieprobleme der Erde zu lösen, ist der Planet jetzt nur noch ein einziger Kriegsschauplatz. Mitten in dieser fast schon erdrückenden Verzweiflung erhält Marcus Fenix eine Nachricht seines totgeglaubten Vaters, der davon erzählt eine Waffe gegen die Locust gefunden zu haben. Die sind mittlerweile nicht mehr die einzige Sorge der wenigen verbliebenen Menschen: Die Lambent sind von der Emulsion angetriebene, willenlose Geschöpfe. Bewaffnet und mit einem einzigen Ziel: Tod allen anderen Lebensformen. Mit dem letzten bisschen Mut motiviert Marcus den Rest des Deltateams und der vielleicht letzte große Feldzug kann beginnen.

Der Plot selbst ist nicht übermäßig glanzvoll, wenngleich sehr unterhaltsam. Viel mehr begeistert die Art und Weise, also wie gekonnt Epic die Geschichte erzählt und präsentiert. Unterstützt von vielen Zwischensequenzen, Dialogen und den interessanten Charakteren und Orten, baut Gears of War 3 eine unheimlich dichte und mitreißende Atmosphäre auf. Mit weit aufgerissenen Augen folgt man der Handlung und will unbedingt wissen wie es weiter geht. Selbstverständlich profitiert Gears dabei erneut von der herausragenden Präsentation, die nahezu allen Konkurrenten die Grenzen aufzeigt: Die Entwickler haben eine Welt ausgearbeitet die vor Details nur so strotzt, mit Abwechslung punkten kann und einzigartige Momente liefert. Knackscharfe Texturen, tolles Design, keine Kinderkrankheiten und brachial inszenierte Action. Das Spektakel sieht großartig aus und versetzte mich regelmäßig ins Staunen. Die Sprecher leisten herausragende Arbeit; entschieden habe ich mich für die englische Variante. Die 5.1 Abmischung bringt das Zimmer zum Beben und überzeugt mit den Effekten, ebenso wie mit dem packenden Soundtrack. Wenn die großen Lambent explodieren oder ihr die kreischende Kettensäge des Lancers anwerft, dann sind das beeindruckende Spielmomente.



Um als Meisterwerk zu gelten und niemals in Vergessenheit zu geraten, reicht all das aber noch lange nicht. Besinnt man sich auf das spielerische, so verzichtet Epic Games auf den Faktor der Innovation und schickt stattdessen das 'Winning Team' ins Rennen. Stört das? Fällt das negativ auf? Um ehrlich zu sein schon, allerdings jetzt beim Schreiben zum ersten mal. Gears of War ist derart rasant, wuchtig und treibend, dass diese Frage sich während des Spiels zu keiner Zeit gestellt hat. Eure massiven Krieger bedienen einen Haufen verschiedene Waffen, nutzen geschickt die vorhandene Deckung und beharken sich in packenden Stellungskämpfen mit Locust und Lambent. Besonders motivierend ist dabei der Lancer mit Kettensäge oder Bajonett, aber natürlich auch die Schrotflinte oder imposante Großwaffen wie der Vulcan, der Mulcher oder das neue One-Shot. Immer mit dabei ist der Rest des Deltateams, hilfsbereit falls ihr verwundet seid und ziemlich offensiv wenn sich die Feinde zeigen. Die gewaltigen Schlachten spielen sich hervorragend, unkompliziert und machen tierisch viel Spaß. Die aggressiven Feinde nehmt ihr mit Sperrfeuer und Granaten auseinander, braucht gegen die dicken Brocken aber eine ausgefeilte Taktik. Flankieren, Deckung wechseln und Teamkoordination, so fallen die Giganten auch in den höheren Schwierigkeitsgraden. Sollte sich wider erwarten mal jemand dauerhaft gegen sein Ende wehren, könnt ihr ihn mit einer der 24 verschiedenen Hinrichtungen ein für alle mal vom Erdboden Seras ausradieren. Korrekt, Gears of War hat zwar erstmals in seiner Geschichte das USK Logo bekommen, was ich außerordentlich gut finde, nach wie vor gehört das ungemein brutale Spiel aber nicht in Kinderhände.

Um dem Titel gerecht zu werden muss man den Mehrspieler mit einbeziehen, das ist klar. Der ist nämlich keine neumodische Erscheinung wie in vielen anderen Spielen, sondern seit Teil 1 ein fester Bestandteil von Gears of War, was sich in Qualität und Umfang sofort bemerkbar macht. Allein im normalen Deathmatch gibt es sechs verschiedene Modi. Darüber hinaus spendiert uns Epic noch den Horde- und den Beastmodus. Die Horde kennt man, hier stürmen Wellen aus Feinden auf euch zu und ihr müsst euch verteidigen. Das geht im Team, dauert bisweilen ziemlich lange und für das erspielte Geld könnt ihr eure Verteidigungslinien stärken - vom Geschützturm bis hin zum Stacheldraht. Den Spieß umdrehen kann man im Beastmodus. Hierbei übernehmt ihr die Kontrolle von Ticker, Berserker oder Kantus und versucht das Lager der Gestrandeten zu stürmen. Jeder Spielmodi kann euch eine ganze Weile lang unterhalten, insbesondere der reguläre Mehrspieler - egal ob Freunde, Bots oder der Rest der Welt - fesselt wochenlang. Dass Epic bereits jetzt Download Pakete angekündigt hat, finde ich allerdings trotzdem nicht gut... Abseits von den unrealistisch groß geratenen Autos und Türen, ist das aber so ziemlich mein einziger Kritikpunkt.

Wie mir eigentlich schon im Vorfeld voll und ganz bewusst, bleibt für ein Spiel wie Gears of War 3 einzig und allein die beste Bewertung die man im Repertoire hat. Die Energie, die dieses Spiel auf den Spieler umlegt ist beeindruckend, ebenso wie die Inszenierung und die Atmosphäre. Wer sich nicht wegen der Muskelberge des Deltateams ob seiner eigenen Ärmchen schämt, der sollte in Anbetracht dieses Meisterwerks schnell jegliche Kritik verstummen lassen - es wäre nur peinlich.



Note: sehr gut

 
Genre: Action

Entwickler: Epic Games
Publisher: Microsoft

Release: September 2011
getestet: Oktober 2011 // Xbox 360 // pal at