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Rayman Origins

Wer braucht die dritte Dimension?

 
Unser geliebtes Telespiel ist ein junges Medium. Man kann sich vermutlich gar nicht vorstellen wohin die Entwicklung uns irgendwann einmal führt. Doch auch wenn seit der Erfindung des Videospiels noch nicht viele Dekaden vergangen sind, haben wir schon Opfer zu beklagen, die die lange Reise in die Zukunft nicht überstanden haben. Man denke nur an das klassische Jump & Run, 2D Landschaften oder auch den beliebten Rayman, der unlängst von ein paar bescheuerten Hasen ersetzt wurde.

All das scheint Ubisoft jedoch völlig egal zu sein, denn der französische Publisher belebt alle drei Verstorbenen wieder und bringt mit Rayman Origins ein waschechtes 2D Jump & Run auf die Heimkonsolen, dessen Energie mich schlichtweg begeistert hat. Tatsächlich gehört Rayman Origins für mich zu den besten Spielen aus 2011, ganz gleich ob man die Präsentation oder die Spielbarkeit bewertet. Keine Waffen, keine Missionen, keine Schwierigkeitsgrade. Origins ist pur, wirkt in dieser überladenen Welt fast schon rein und sauber. Es bringt genau das Maß an Luxus mit, das ein modernes Jump & Run haben sollte. Dankbarerweise wird auf jeglichen anderen Schnick-Schnack verzichtet.



Bereits auf den ersten Blick und nach wenigen Sekunden ist klar, dass die Technik trotz der Entscheidung gegen die dritte Dimension eine sehr wichtige Rolle spielt. Mit einer unglaublichen Intensität und Farbgewalt zaubert Ubisoft eine märchenhafte, knallbunte und fantasievolle Welt auf euren Schirm. Die Tristesse des Winters wird von einer bunten Magie durchschnitten und hüllt euch in ein faszinierendes Ambiente. Klassische Welten, wie eine Eis- und Schneelandschaft, ein Wüstenlevel oder der sattgrüne Dschungel sorgen für Begeisterung vor dem TV. Alles ist sehr liebevoll umgesetzt, wirkt teilweise wie handgemalt und strotzt vor Details. Dank schöner Spielereien im Hinter- und Vordergrund entsteht ein angenehmes Tiefengefühl, obwohl es stets nur von links nach rechts geht. Die musikalische Untermalung ist ebenfalls wunderschön, im richtigen Moment spannend und auch wenn man direktionale Effekte, tosenden Surround Sound oder explosionsartige Bässe vermisst, dreht man sehr gerne lauter.

Rayman Origins versprüht einiges an Retrocharme, den wir der Konzentration auf das Wesentliche zu verdanken haben. Keine Waffensysteme, nur wenige und sehr einfache Charakter-Upgrades und eine geradlinige Geschichte ohne Komplikationen oder Fragezeichen. Es gibt kein ewig langes Hauptmenü, kaum Optionen und nur einen einzigen Schwierigkeitsgrad. Perfekt. Origins ist der Beweis dafür, dass man auch simpel ans Ziel kommen kann. Den Entwicklern tut man damit natürlich unrecht. Dass es für den Spieler so unkompliziert ist kostet das Studio große Mühe, gerade wenn ein Spiel dermaßen von Timing und Gameplay abhängig ist. Denn genau darum geht es, abseits von Rennen und Springen: Bewegliche Plattformen, stachelige Wände, gähnende Schluchten, Zeitlimits oder ein ansteigender Wasserspiegel der euch verfolgt. Dazu ein paar gesalzene Endgegner, Shoot 'em Up Sequenzen und Unterwasserlevel. Die Mischung ist grandios! Man langweilt sich zu keiner Zeit und wird auf angenehme Art und Weise gefordert. Viele Level spielen sich wie aus einem Guss, andere erfordern leichtes Taktieren. Immer gefragt sind Geschick, Genauigkeit und eine schnelle Auffassungsgabe. Das Team um Rayman hat es geschafft all das in Origins zu stecken, was das Genre so liebenswert macht.



Über die große Hauptkarte, die euch sehr übersichtlich eure Ziele und Aufgaben zeigt, gelangt ihr in die einzelnen Level und könnt alles natürlich noch mal spielen. Das ist keine schlechte Sache, denn im ersten Durchlauf gelingt es meist nicht alle Lums einzusammeln. Die braucht man aber um Electoons zu ergattern, die wiederum eure Medaillons füllen und weitere Level freischalten. In dieser Sammelei steckt übrigens viel Langzeitmotivation. Beim ersten Versuch erreicht man so gut wie nie die benötigte Anzahl Lums. Dafür muss man das Level perfekt beherrschen. Heißt unterm Strich: Den Abspann sehen kann fast jeder, die Medaillons ausfüllen, das kostet Kraft und Können. Gleiches gilt für die roten Edelsteine, die man nur dann bekommt, wenn man einen irren Speedrun gegen eine Schatztruhe gewinnt. Ja, richtig gelesen. Lasst euch überraschen, fordernd aber unheimlich spaßig.

Von mir leider nicht wirklich getestet, aber mit an Bord, ist sogar ein Mehrspielermodus. Euer Partner, zum Beispiel in der Haut von Globox, turnt mit euch durch die Level und wie einst zu besten Donkey Kong Country Zeiten durchlebt man gemeinsam das komplette Abenteuer. Manchmal wird es dadurch leichter, manchmal schwerer. Viel Kritik muss sich Rayman nicht gefallen lassen, da auch Steuerung, Umfang und Speichersystem einen absolut positiven Eindruck hinterlassen. Umso schlimmer ist es, dass die Verkaufszahlen nicht stimmen und die breite Masse Ubisoft und diesen tollen Titel im Stich lässt...



Note: sehr gut

 
Genre: Jump & Run

Entwickler: Ubisoft
Publisher: Ubisoft

Release: November 2011
getestet: Februar 2012 // Xbox 360 // pal deutsch