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Forza Horizon

Die vermeintlich große Freiheit

 
Jede Konsole braucht ihre Aushängeschilder, also AAA Titel die in Sachen Verkaufszahlen und Qualität aus der breiten Masse hervorstechen. Seit einigen Jahren ist das auf Microsoft Konsolen unter anderem die Rennspiel-Serie Forza Motorsport, welche seit jeher gekonnt Realismus mit Spielspaß kombiniert und durch Technik und Umfang beeindruckt. Wie ich zuletzt leider auch feststellen musste, trat die Serie aber ein wenig auf der Stelle, weshalb es jetzt wohl Horizon gibt, welches definitiv als Spin Off betrachtet werden muss. Sowohl thematisch und stilistisch, als auch vom Gameplay, weicht Horizon nämlich stark von den Vorgängern (und Nachfolgern) ab und versucht der Serie frischen Wind einzuhauchen. Das schafft der Racer, keine Frage, jedoch bleibt die Begeisterung aus. Die Festival-Episode ist für mich unterm Strich kein Fortschritt, geht sogar eher in Richtung Rückschritt.



Sorge dich nicht, lebe! Getreu diesem Motto folgt nach der groben Einleitung direkt die Entwarnung: An Spielspaß mangelt es dem Rennspiel nicht. Jedoch hat muss man erstmal verkraften, dass echte Rennstrecken entfernt, die tolle Musikauswahl beschnitten und das Gameplay weiter von einer Simulation wegbewegt wurde als sogar mir lieb ist. Aggressive, bisweilen fast unverschämte Mikrotransaktionen rauben Forza zusätzlich viel von seiner Faszination. Alles beginnt auf kitschigste Art und Weise mit einem großen Rennsport-Festival, bei dem es bereits einige bekannte Teilnehmer gibt, die jedes Jahr mitfahren, und euch, den unerfahrenen unbekannten Anfänger. Klar ist, dass die Rennleitung für euch irgendwie was übrig hat und relativ schnell kann man sich in diversen Rennen nach oben arbeiten. Dabei langweilen die anderen Fahrer, die ihr nur als Rivalen kennenlernt, mit unfassbar platten Phrasen und wirken alles in allem sehr aufgesetzt und eindimensional.

Die eher mittelmäßig große Karte von Horizon könnt ihr jederzeit über die Back Taste aufrufen und hinfahren wo ihr wollt. Markiert sind dort jede Menge Events, von denen weitere auftauchen je besser ihr fahrt. Belohnt wird man vor allem für Podiumsplätze, gewinnt so bunte Bändchen, die euch wiederum den Beitritt zu schwereren Turnieren ermöglichen. Neben Rundkursen mit vielen Konkurrenten gibt es auch noch Start/Ziel Rennen und gelegentlich mal ein Duell gegen nur einen Fahrer. Horizon führt euch dabei über extra abgesteckte Rennstrecken, aber nicht selten auch durch Innenstädte und auch mal durch den Gegenverkehr. Noch abgedrehter geht es in den Showcase-Rennen zu, denn hier sind eure Gegner Hubschrauber, Heißluftballons oder sogar Flugzeuge. Gewinnt man ein solches Heads-Up ist euch der Jubel der Fans gewiss und die Popularität steigt. Selbstverständlich gilt es den Bekanntheitsgrad weiter auszubauen, was über Drifts, gewagte Überholmanöver, Beinahe-Unfälle und hohe Geschwindigkeit auch bestens funktioniert. Für Forza ist das Neuland, ganz unbekannt kommt es einem dennoch nicht vor. Dezent fühlt man sich an diverse Konkurrenten erinnert. Abseits der vielen Rennen entdeckt ihr Blitzer, versteckte Oldtimer in Scheunen oder fordert, je nach Lust und Laune, einige Widersacher zu einem spontanen Direktrennen auf. Der 1000 Club lockt ebenfalls; hier hält jeder Fahrzeughersteller eine Handvoll Aufgaben verschiedener Natur bereit. Mal braucht es für die Medaille einen spektakulären Drift, mal müssen einfach nur Streckenbegrenzungen umgefahren werden.



Horizon spielt in den USA, Colorado meine ich, und ist entsprechend beherrscht von Brauntönen, einigen Offroad-Pisten mit viel Staub und ansonsten recht dunklem Asphalt. Städte gibt es nicht, Bäume gibt es kaum und nach einigen vielen Stunden ist das Szenario zwar nicht langweilig, aber ohne jede Finesse. Davon abgesehen sieht Forza mal wieder klasse aus, bietet detaillierte Fahrzeuge, hervorragende Texturen, Effekte und hat Rennen bei Tage und bei Nacht in petto. Die drei Radiosender versorgen den Spieler mit Musik, welche für mein Empfinden zu gewöhnlich ist und verzweifelt versucht den trendigen Zahn der Zeit zu treffen.

Beschäftigt ist man mit Horizon eine ganze Weile, da man Zeit braucht um Events und Fuhrpark zu entdecken. Der Umfang reicht trotzdem nicht an den der Vorgänger heran und ganz ehrlich gesagt stört es mich mittlerweile ziemlich, dass man so selten in seinem Lieblingsfahrzeug unterwegs sein darf. Meist ist für die Rennen nur ein bestimmter Hersteller zugelassen, plötzlich braucht man einen Wagen mit Allradantrieb oder so ähnlich. Komplett am Ziel vorbeigeschossen ist man mit den eingangs erwähnten Mikrotransaktionen, was bedeutet das man im Spiel offensiv zur Kasse gebeten wird. Dass man diverse Fahrzeuge oder ganze Auto-Pakete mit Ingame-Credits oder echtem Bargeld erstehen kann ist nicht neu. Jedoch gehören Schatzkarten, Schnellreise-Funktion und haufenweise Download-Karren, die man z.T. für Erfolge braucht, für mich nicht dazu. Nachgeliefert hat Turn 10 obendrein noch einen Rally-Modus, der es ebenfalls schon ins Hauptspiel hätte schaffen dürfen, respektive nicht derart teuer sein sollte. Ganz, ganz schwache Vorstellung.

Was ist dieses Forza Horizon nun eigentlich? Kann ich es wenigstens empfehlen? Ja, das kann ich. Komischerweise dreht man die Musik gerne lauter, steigt in einen eigentlich verhassten Ferrari und erfreut sich an einem langen Drift. Nein, es ist nicht das was ich mir von dieser klassischen Serie erhoft hatte, ahmt zu sehr andere Spiele nach, bleibt aber dennoch eine unterhaltsame Episode die mich viele Stunden ans Pad gefesselt hat. Kleine Ideen, wie die Blitzer, bei denen man die Highscores seiner Freunde knackt, gefallen mir sehr gut, hin und wieder spürt man sogar einen ganz sanften Hauch frischen Windes. Sicher, ich hätte mir von einer Rennzentrale mehr erhofft als fades Geklicke, aber die Bestnote hatte ich für Horizon eh nie im Auge. Nein, es bleibt ein gutes Rennspiel, mehr aber auch nicht.



Note: befriedigend

 
Genre: Rennspiel

Entwickler: Playground Games & Turn 10 Studios
Publisher: Microsoft

Release: Oktober 2012
getestet: Oktober 2013 // Xbox 360 // pal deutsch // Download