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Batman : Arkham Origins

Always be yourself! Unless you can be Batman. Then always be Batman.

 
Sollte es immer noch Leute geben, die Batman für einen Helden ohne Fehl und Tadel halten, so wird Arkham Origins diesen endgültig die Augen öffnen. Wie schon in der Nolan-Trilogie im Kino und den beiden Arkham Vorgängern auf der Spielkonsole, wird Batman auch diesmal wieder als der dunkle Ritter dargestellt der er tatsächlich ist. Kompromisslos, durch und durch düster, offensiv und ohne Mitleid. Weder hat er Zeit, noch Lust auf das Versteckspiel mit den acht Attentätern die ihm auf den Hals gehetzt wurden und scharf auf 50 Millionen Dollar Kopfgeld sind. Im Gegenteil, Batman stellt sich dieser vermeintlichen Übermacht in seinem Körperpanzer entgegen, getrieben von unbändiger Willenskraft für Gotham und unterstützt durch hochtechnisierte Waffensysteme. Von der ersten Sekunde an baut sich eine intensive Spannung auf. Getragen vom dynamischen Spielablauf und der mitreißenden Erzählweise, gelingt es Arkham Origins auf beeindruckende Art und Weise Kraft und Energie auf den Spieler zu transferieren. Stellenweise episch, hat mich der Titel schnell in seinen Bann gezogen. Der Kampf gegen das Verbrechen dauert nur eine Nacht, aber genau so fühlt es sich auch an. Ohne dass man gehetzt wird, spürt man den Druck der auf dem Protagonisten lastet, ist rastlos und in Eile. Sodann kann sich die Dramatik perfekt entfalten.



Batman, der nicht zimperlich mit seinen Kontrahenten umgeht, will eigentlich überall gleichzeitig sein und nimmt es mit verschiedenen Gegenspielern auf. Mit dabei sind beispielsweise der Pinguin, Deadshot, Enigma, Anarchie oder Black Mask, der die Treibjagd auf die Fledermaus organisiert hat. Nicht selten gipfeln jene Auseinandersetzungen in einem beeindruckenden Showdown, bei dem jeder Faustschlag wie ein Donnergrollen über Gotham rollt. Die Wucht der Prügeleien war schon in den Vorgängern hervorragend umgesetzt und bereits die ganz normalen Gefechte, zumeist gegen eine Handvoll Mobster, sind packend inszeniert. Eingekreist von Keulen schwingenden Wahnsinnigen verfällt Bats in irre Raserei, tritt und schlägt solange zu bis alle Lichter ausgeknipst sind. Größere Brocken, die euch vor allem auf den höheren Schwierigkeitsgraden häufig belästigen, machen taktische Gegenschläge und sekundengenaue Konter unverzichtbar. Batman kann den Kampf mit seinen vielen Gadgets darüber hinaus teilweise beeinflussen, profitiert aber in erster Linie von schnellen Reflexen und zahlreichen Upgrades, die man nach und nach freischaltet. Ein bisschen mehr Zeit sollte man sich in den Predator-Rooms nehmen, denn hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten völlig ungesehen zu agieren. Versteckt in Schächten oder auf hoch gelegenen Gargoyles, unterstützt durch den Sonic-Batrang und prägnante Takedowns, schaltet man hier einen Gegner nach dem anderen aus. Interessant vor allem deshalb, weil die Fledermaus hier als heimlicher und unbarmherziger Albtraum dargestellt wird.

Die Gefechte stellen einen Schwerpunkt des Spiels dar, die Entwickler legen auch diesmal aber viel Wert auf Erkundung. Gelegentlich wird also schon der Weg zum Ziel und innerhalb der meisten Gebäude erwarten euch diverse Fallen und kleinere Kopfnüsse, denen der dunkle Ritter am besten mit Technologie begegnet. Die sind, etwas überladen, aufs Digipad verteilt, halten dafür aber alles parat was man sich wünscht: Explodierendes Gel, Klebegranaten, ein ferngesteuerte Batrang und der immens wichtige Grapple-Hook. Wer mal nicht weiter weiß wechselt in den Detektivmodus, welcher alle wichtigen Objekte und sogar Gegner markiert, oder kontaktiert Alfred. Der sitzt in der kalten Bathöhle am Batcomputer und hilft wo er nur kann. Angesiedelt ist Origins übrigens vor den anderen Teilen. Auf die Hilfe von James Gordon kann man sich beispielsweise nicht verlassen und die Anfänge des ewigen Krieges gegen den Joker werden höchstinteressant durchleuchtet, während Bruce Wayne noch sehr von seinen Emotionen gesteuert wird.



Gotham City steht euch zu jeder Zeit offen und kann von A bis Z erkundet werden. Während es eine helle Freude ist mit ausgebreitetem Umhang durch die Nacht zu segeln oder in Windeseile Fassaden zu erklimmen, so gibt es abseits der Story nicht viel zu entdecken. Zufallskämpfe ja, einige kleinere Geheimnisse, davon abgesehen aber bloß noch Enigmas versteckte Datenpakete, die aufgrund ihrer unfassbaren Anzahl aber lediglich nerven. Mehr Spaß macht es lieber gleich zum Ziel zu reisen. Dann wird man eingehüllt von der dichten und intensiven Atmosphäre. Die charismatischen Widersacher bekämpfen euch auf durchaus unterschiedliche Art und Weise und auf mich wirkt das alles äußerst durchdacht und konsequent. Außerdem schlägt Batman nicht nur zu, er kann auch Tatorte analysieren und so Kriminalfälle aufklären. Ist zwar nur ein kleiner Teil des Spiels, aber trotzdem erwähnenswert und ein echter Pluspunkt.

Absolut misslungen sind Entwickler Warner Bros. die Erfolge, welche freizuschalten die reine Pest ist. Davon abgesehen erntet das Spiel viel Kritik, weil es seinen Vorgängern zu ähnlich sei. Glück für mich, Arkham City habe ich übersprungen. Insofern fühle ich mich in der Haut von Batman besonders wohl, wenngleich mir das Konzept der Predator-Rooms nur z.T. einleuchtet, die Charakterentwicklung einige Schwächen offenbar und Origins nicht ganz leicht ist. Das wiederum ist aber in meinen Augen ein Vorteil, ebenso wie die Ausflüge in andere Figuren oder die absurde Szenerie des Hutmachers. Der Umfang ist top und egal was man tut, man spürt die Wucht. Darüber hinaus, obwohl ich primär Xbox One spiele, sieht Batman einfach fantastisch aus. Die Atmosphäre ist super, die Qualität beeindruckend und der Sound phänomenal - inkl. englischer Synchro.

Batman : Arkham Origins findet eine gute Mischung aus Stealth und heftigen Schlägereien, wirkt mal sehr simpel und wegen der vielen Gadgets gelegentlich auch komplex. Wer mit der Story fertig ist kann sich in Herausforderungskarten diversen Aufgaben stellen oder sich im Mehrspieler vergnügen. Obgleich ich beides nicht getan habe, hat sich Bruce Wayne aus meiner Sicht prächtig geschlagen. Bestnote.



Note: sehr gut

 
Genre: Action Adventure

Entwickler: Warner Bros. Games
Publisher: Warner Bros. Interactive Entertainment

Release: Oktober 2013
getestet: März 2015 // Xbox 360 // pal uk