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Akrobatik mit Buchstaben

   
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Duke Nukem Forever

Traurige Pflichtveranstaltung

 
Duke Nukem muss man spielen! Das musste man damals, das muss man heute. Ein jeder Videospieler ist mehr oder weniger dazu verpflichtet. Nicht umsonst soll sich 3D Realms 14 Jahre lang abgemüht haben. Vierzehn Jahre. Eine lange Zeit. Aber genau diese Zeit war notwendig um einen Ego Shooter Meilenstein zu kreieren, der die Welt der Telespiele für immer verändern würde... Falls die Entwickler daran zu Beginn ihrer Arbeiten geglaubt haben, dann ist ihnen dieser fromme Wunsch irgendwann abhandengekommen. Später, nach vielleicht acht Jahren, hatte dann auch die Presse nicht mehr die größten Erwartungen und wieder vier Jahre später dürfte auch den meisten Fans klargeworden sein, dass die Rückkehr des Duke kein angemessenes Comeback werden würde. Tatsächlich erreicht mich mit Duke Nukem Forever keine Perle der Programmierkunst, kein episches Meisterwerk an dem jemand 14 Jahre lang akribisch gefeilt hat. Nein, binnen dieser 14 Jahre ist ein fast unspielbarer Ego Shooter entstanden, der furchtbar aussieht und wenig zu bieten hat. Aber, und das ist der springende Punkt, es ist nun mal Duke Nukem. Weshalb ich meinen späten Zukauf und die Aufnahme in meine Spielesammlung nicht eine Sekunde lang bereut habe.



Wo sonst beginnt ein Spiel mit einem pissenden Helden am Urinal? Wo sonst ist ein sexy Zwillingspärchen um orale Befriedigung eurer Person bemüht? Wo sonst wird die gleichzeitige Einnahme von Bier und Steroiden belohnt und wo sonst bestimmen Gewalt, Blut, Busen und Proletengehabe wo es langgeht? Ganz recht, für alle das braucht man das mit Ironie vollgepumpte Ego Shooter Urgestein, das in seinem neuesten Spiel in all diesen Kategorien zur Hochform aufläuft. Der Duke beleidigt, er verspottet, er haut Leuten auf die Mappe und tritt Aliens in den Arsch. Wie gut 3D Realms das gemacht hat zeigen öffentliche Sexismus Vorwürfe (zumindest in den USA), die 18er Freigabe (zumindest in Deutschland) und das breite Grinsen in meinem Gesicht (zumindest ab und an).

Das Ziel ist selbstverständlich die Rettung der Welt. Die Aliens, die Duke Nukem vor Jahren von der Erde vertrieben hat, haben die Schnauze offensichtlich noch immer nicht voll. Sie kommen zurück. Und trotz diplomatischer Bemühungen des Präsidenten sind sie uns nicht friedlich gesonnen. Auch Duke Nukem gibt nicht viel auf das Geschwafel des Staatsoberhaupts, er begrüßt die Eindringlinge aus dem Weltall mit einer gewaltigen Gatling Gun und holt diverse Schiffe vom Himmel. Jegliche verbale Konfrontationen vermeidet der blonde Held, Anfragen des Mutterschiffs werden mit einem Stinkefinger beantwortet. Spätestens als dann klar wird, dass die Aliens vorranging heiße Babes verschleppen, platzt dem Muskelberg endgültig der Kragen. Mit Pistole, Devestator, Laser oder dem dreiläufigen Ripper ballert ihr Horden der Invasoren nieder. Blutige Feuergefechte bestimmen das Geschehen und die angriffslustigen Aliens bekommen einen bunten Strauß Gegengewalt. Sucht deshalb bitte nicht nach Rätseln oder intelligenten Dialogen, die gibt es nämlich nicht. Bei Duke Nukem Forever genießen eure Grauen Zellen eine schöpferische Pause, genauso wie man selbst das klassische Gameplay genießt. Denn so überholt, starr und altbacken sich der Shooter auch spielt, ganz fremd fühlt man sich hier nicht. Das liegt wohl daran, dass man jenes klassische Ego Shooter Gameplay noch aus den Kinder- und Jugendtagen kennt. Es ist fast so, als hätte 3D Realms damals zu Beginn der Entwicklung, 1997 (!), einen Kurs vorgegeben, von dem man sich in all den Jahren nicht entfernt hat. Heute ärgert man sich dann über lange Ladezeiten, grobe Steuerung und unterirdische KI. All das gestaltet die Kampfhandlungen plump und fad. Doch Vorsicht, denn nur weil es sich uninspiriert spielt, sind die Angriffe der Aliens nicht zu unterschätzen. Sie kratzen auch auf dem leichten Schwierigkeitsgrad stark an eurem Ego (das ist hier die Lebensenergie) und da es kein vernünftiges Deckungssystem gibt muss Duke Nukem stets durchgeladene Waffen bei sich tragen und im rechten Moment hinter einer Wand abtauchen. Taktische Möglichkeiten bietet euch das Spiel nicht, es geht stumpf mit dem Kopf durch die Wand und man muss laufend in Bewegung bleiben. Fette Endgegner, wie die Queen Bitch, lassen sich durch strikte Einhaltung von Kampfmustern besiegen, ansonsten stellen sich euch die bekannten Pigcops, aber auch Assault Captains oder schleimspuckende Spinnenwesen in den Weg.



Aufgelockert wird die spielerische Tristesse durch viele Gags und Sprüche. Ihr könnt aber auch Airhockey spielen, allerlei Gegenstände aufheben und herumwerfen, flippern und sogar Hanteln stemmen. In Kombination mit dem derben Humor ergibt das die beliebte und bekannte Duke Nukem Mischung. Ich gehe davon aus, dass 3D Realms irgendwann gemerkt hat das Forever kein Hit mehr werden kann. Während der Entwicklung des Spiels sind Spieleserien wie Halo oder Call of Duty entstanden und abgesehen von dieser Konkurrenz floss das Geld auch nicht in Strömen. Vermutlich war es ab einem bestimmten Punkt, der lange in der Vergangenheit liegen muss, gar nicht mehr vorgesehen in Wertungsregionen oberhalb der 70% Skala vorzudringen Es wäre auch unrealistisch gewesen. Nein, hier trägt eine Kultfigur das gesamte Spiel, die irgendwie einzigartige Atmosphäre und der Humor, der die mangelnde Qualität teilweise fast vergessen macht - für wenige Sekunden. Ich selbst finde es gelegentlich mal sehr erholsam ein simpel konstruiertes Spiel zu spielen. Der Duke kann schießen und Sprengstoff schleudern, ich schieße und schleudere Sprengstoff. Die Welten sind einigermaßen abwechslungsreich und irgendwie kämpft man sich immer weiter vor. Wenn man das alles weiß, dann kann Duke Nukem Forever euch gut unterhalten - obwohl es eigentlich eine ziemliche Gurke ist.



Note: ausreichend

 
Genre: Ego Shooter

Entwickler: 3D Realms & Gearbox Software & Triptych Games & Piranha Games
Publisher: Take-Two Interactive

Release: Juni 2011
getestet: September 2014 // Xbox 360 // pal deutsch