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the Bureau : XCOM Declassified

Kein Ton von Area 51

 
Würde es einen Film zu XCOM geben, wäre ein junger und mürrischer Clint Eastwood auf jeden Fall die perfekte Besetzung für William Carter. In dessen Haut schlüpft ihr und findet euch in den USA der 60er Jahre wieder. Jeder raucht, jeder trinkt, John Fitzgerald Kennedy ist Präsident und die Russen sind gemeinhin der größte Feind der Demokratie. Im Film ist dieses Szenario nichts Besonderes, im Videospiel reist man aber nicht allzu oft in die jüngere Vergangenheit. Entsprechend frisch und interessant ist das Ganze.

Das friedvolle Leben, wenngleich von Rauschmitteln geprägt, wird jedoch blitzartig gestört. Nicht von den Russen, nicht von den Deutschen. Die Invasoren kommen von viel weiter her, von einem fernen Planeten aus dem Weltall nämlich. Die Aliens fallen grausam brutal über die Menschen her und erobern mit massiver Waffengewalt Forschungseinrichtungen, militärische Stützpunkte und ganze Städte. William Carter ist Teil der Gegenoffensive. Zusammen mit anderen Agenten und dem neuen Präsidenten konnte er sich in eine Militärbasis retten, die fortan Dreh- und Angelpunkt für diverse Operationen gegen die Eindringlinge ist. Die Story ist zwar grundsätzlich eher platt, aber angereichert mit einigen kleinen Sidequests, längeren Dialogen und vielen Figuren. Zum Ende hin fand ich also trotz eher unbeeindruckendem Spannungsbogen Gefallen an XCOM. Dadurch, dass es in den 60ern spielt, schwingt irgendwie viel Charme mit.



Wie sich bereits im ersten Gefecht zeigt, ist the Bureau ein Taktikshooter. Das bedeutet, dass Carter nicht alleine in den Kampf zieht, sondern zwei Agenten an seiner Seite hat. Die agieren zwar grundsätzlich selbstständig, warten aber insgeheim doch nur auf eure Befehle. Während ihr also in der Haut des Protagonisten in sicherer Deckung hockt, ruft ihr den Battlefokus auf und könnt nun eure Agenten mehr oder weniger frei auf dem Schlachtfeld bewegen. Obwohl sie jedem eurer Befehle folgen, empfiehlt es sich die Jungs ebenfalls in sichere Deckung zu schicken - im Idealfall an strategisch günstige Positionen. Man muss keine Kriegsratgeber gelesen zu haben um zu wissen, dass einer links und einer rechts schon ein guter Anfang ist. Flankiert den Gegner und nehmt ihn in die Zange, zwingt ihn aus der Deckung und zerstört seine Verteidigung. Sind die Befehle erteilt, kann Carter seinerseits das Feuer eröffnen. Jetzt ist XCOM quasi ein 3rd Person Shooter, bei dem ihr mit Schrotflinte, Laserkanone oder Granate möglichst rasch die Lebenslichter eurer Widersacher ausblast. Die Schlachtfelder sind eher klein, die Gegner zahlreich und stark. Wer wirklich siegreich sein will, der lässt seine Agenten nicht einfach wild durch die Gegend feuern, der nutzt ihre Spezialfähigkeiten. Aufgeteilt in vier Charakterklassen hat jeder Agent einen individuellen Geniestreich in der Tasche: Vermint das Gelände, platziert Laser- oder Raketentürme, genießt kurzzeitige Unsichtbarkeit, fahrt Schutzschilde hoch oder nehmt den Feind unter konzentriertes Präzisionsfeuer. Auch euer Alter Ego hat solche Kräfte. Er heilt beispielsweise alle Kameraden auf dem Schlachtfeld oder hebt einen bestimmten Feind kurzzeitig aus seiner Deckung. Das ist ziemlich gut, denn wenn das Alien erst mal in der Luft schwebt, ist es zügig erschossen. Damit der Einsatz all dieser Kräfte auch Sinn macht, schicken die Invasoren regelmäßig dicke Brocken in den Krieg. Schwer zerstörbare Mutons oder feuerstarke Kampfläufer, dazu Kommandanten die die Aliens mit Schilden versorgen. Wie ihr im Gefecht agiert entscheidet ihr selbst. Carter kann völlig passiv bleiben und ihr regelt alles über den Battlefokus, schneller geht es aber wenn man aktiv ins Kampfgeschehen eingreift.

Zwischen den Missionen befindet man sich in der Basis und kann hier kleineren Sidequests nachgehen. Diese werden durch Dialoge mit Auswahlfenstern vorangetrieben, ab und an muss man auch ein bisschen rätseln. Die Agenten kann man in Dispatch-Missionen schicken, an denen man selbst gar nicht mitwirken kann, aus denen die Jungs aber gestärkt zurückkommen. In der Basis könnt ihr dann deren Outfit, Ausrüstung und die Spezialfähigkeiten ändern - sogar die Namen.



Was genau macht XCOM nun eigentlich falsch? Zum einen wäre da das Design. Die Außerirdischen, die ich anfangs für einen schlechten Scherz hielt, sehen aus wie von einer Cornflakes-Schachtel. Ähnliche Kritik muss ich an die Architekten der Aliens richten: Es mögen nur provisorische Invasions-Gebäude sein, die sehen in ihrer grauen Plattenoptik aber echt kacke aus. Einfallslos und uninspiriert wirkt es, was den tollen Look der 60er Jahre beträchtlich trübt. Zweites größeres Problem ist der hervorragende Ansatz des Titels, aber die nur mittelprächtige Umsetzung. Die KI eurer Mitstreiter ist beispielsweise eher frustrierend. Da schickt man die Jungs in Deckung und die rennen einfach quer übers Schlachtfeld und stecken Treffer um Treffer ein. Sind sie dann angekommen, treffen sie wiederum den Feind nicht und am Ende muss Carter das wieder alleine klären. Mir fehlt auch etwas mehr strategischer Einfluss, beispielsweise erhöhte Stellungen, Kanonen, veränderliche Schlachtfelder oder weitläufige Gebiete auf denen gekämpft wird. XCOM staucht das Ganze und lässt es eng wirken, was den Kämpfen die Intensität nimmt. Das wiederum drückt auf die Motivation und Glanzpunkt bleiben die illustren Fähigkeiten der Agenten, die die Gefechte einigermaßen abwechslungsreich gestalten.

Declassified hat mich rund zehn Stunden beschäftigt. Die Missionen sind lang, der Spielablauf frisch und anfangs sehr reizvoll. Leider geht dem Spiel dann ab dem Mittelteil die Puste aus und ich vermisse den entsprechenden Tiefgang. Dennoch hat es für den Abspann gereicht, da die Kämpfe bisweilen wirklich Spaß machen. Wer das Spiel für einen schmalen Taler bekommen kann, was bei mir knapp fünf Euro waren, der darf zuschlagen - es ist nämlich ein sehr gutes 'ausreichend'!



Note: ausreichend

 
Genre: Action

Entwickler: 2K Marin
Publisher: 2K Games

Release: August 2013
getestet: Dezember 2014 // Xbox 360 // pal deutsch