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the Darkness II

Dunkler als Kaffee am Montag

 
Was hat mich the Darkness zu Beginn der Xbox 360 Ära irritiert, schockiert und begeistert. Ein wahnsinniges Spiel! Dennoch war ich über die Nachricht, dass eine Fortsetzung kommen soll, nicht ausschließlich erfreut. Spiele dieser Qualität können für mich auch einzigartig und ohne Nachfolger bleiben. Da hatten die Mädchen und Jungs von Digital Extremes aber was dagegen und erzählen die Geschichte von Jackie Estacado nun weiter. Dabei beschreiten die Entwickler zum Teil neue Pfade, wobei die Entscheidung zu Gunsten von Cel-Shading wohl die augenfälligste Änderung sein dürfte. Meines Erachtens schreckte das viele potentielle Käufer ab, mich einstmals eingeschlossen. Irgendwann erlag ich dann aber doch meiner Neugier und bin vom Spiel mittlerweile ganz angetan. The Darkness II erfindet kein Rad neu, ist stellenweise ein wenig holprig, erzählt jedoch eine hervorragende Geschichte und motiviert darüber hinaus mit kompromissloser Gewaltdarstellung und der absonderlich bösen Dunkelheit.



Die gute Nachricht vorweg: Die eher bunte Grafik, von der Comicvorlage inspiriert, nimmt dem Spiel weder die Faszination, noch die Reife. Natürlich unterscheidet sich the Darkness II deshalb technisch stark vom Vorgänger, ehrlich gesagt passt aber auch die neue Optik sehr gut zum Ego Shooter und wirkt nicht befremdlich oder gar kindlich. Wo wir gerade dabei sind direkt noch eine gute Nachricht: Die Entwickler erzählen eine intensive und durchaus tiefgründige Geschichte und nehmen sich dafür sogar Zeit. Es gibt minutenlange Passagen mit Dialogen und Zwischensequenzen in denen man einfach nur versucht die Welt von Jackie zu verstehen. Dabei gibt euch der Titel einen gewissen Spielraum für eigene Interpretationen und verstrickt euch in einen Plot, der über ein normales Wechselspiel zwischen Gut und Böse weit hinausgeht.

Jackie Estacado ist nach den Geschehnissen aus Teil 1 zum Kopf des Mafia-Clans aufgestiegen. Seine Freundin Jenny, die von der Dunkelheit getötet wurde, ist noch immer sein Lebensinhalt. Er ist geplagt von schwerwiegenden Schuldgefühlen und in ihm lodert eine unstillbare Sehnsucht. Die Dunkelheit, die noch immer Besitz von ihm ergriffen hat, konnte er in die Untiefen seines Selbst verbannen. An sich kein schönes Leben, aber selbst dieser vermeintliche Frieden wird bei einem ganz normalen Restaurantbesuch komplett zerstört: Ein Angriff der Bruderschaft bringt das Chaos in Jackie wieder ans Tageslicht. Die Anhänger dieses Kultes wissen um die unfassbare Macht und wollen ihm diese austreiben. Jackie wiederum muss zulassen, dass die Dunkelheit sich befreit und abermals seiner bemächtigt, wohlwissend dass jenes Geschöpf ganz eigene Ziele verfolgt. Es ist ein ziemlich interessanter und heftiger Konflikt, der bis zum Ende spannend bleibt und in einem unfassbaren Finale gipfelt. Besonders interessant fand ich die Parallelwelt, die ihr dann und wann aufsucht. Kein Krieg, kein Drama, nur eine Nervenklinik. Jackie Estacado ist dort Patient und alles Böse scheint nur eine Wahnvorstellung...

Inszeniert ist die Geschichte jedenfalls fabelhaft und wird zu weiten Teilen von kompromissloser Gewalt dominiert, die kein Cel-Shading Stil dieser Welt abschwächen könnte. Schon als die Dunkelheit das erste Mal in euch hochkocht endet dies in einem grauenvollen Blutbad mit mehreren Toten. Zwei dämonische Fangarme sind eure Begleiter, die immer dann nach vorne schnellen wenn es dunkel ist. Mühelos brechen diese Geschöpfe die Körper eurer Widersacher oder schlagen sie wortwörtlich in Stücke. Autotüren werden aus Fahrzeugen gerissen und als Schild genutzt, Eisenstangen werden zu Speeren und überdies agiert Jackie selbst noch mit jeder Menge Feuerwaffen. Schrotflinte, Pistole oder Uzi werden parallel zu den Dämonenarmen zum Albtraum für jeden der sich euch in den Weg stellt. The Darkness II hetzt euch immer wieder große Gegnerhorden auf den Hals und ist ein reinrassiger und von Action geprägter Ego Shooter. Das Gunplay ist dabei nicht immer ganz flüssig, kann aber sehr abwechslungsreich gestaltet werden.



Im Spielverlauf arbeitet man fleißig an Jackies Fähigkeiten und verbessert diese stetig, so dass der geplagte Held immer stärker wird. Das verschafft euch in den Feuergefechten so manchen Vorteil. An denen solltet ihr Gefallen finden, denn als geradliniger Shooter hat the Darkness II nicht viel mehr zu bieten. Kein Deckungssystem oder Rätsel, viel mehr lebt das Spiel von der Atmosphäre. Mir haben die Schießereien viel Spaß gemacht, so elegant oder flüssig wie bei vielen Konkurrenten ist das aber nicht, zugegeben. Bei der Stange hält einen vor allem die Dunkelheit selbst. Allein die phänomenale Synchro rechtfertigt den Kauf des Spiels. Man spürt das Böse, es dringt bis ins Mark vor und der Hass kommt direkt in euer Wohnzimmer.

Leider ist die Geschichte, so gut sie auch ist, unterm Strich ein wenig zu kurz geraten und gerne hätte ich noch mehr Zeit in der bizarren Welt der Dunkelheit verbracht. Man möchte noch mehr wissen, mehr erleben. Sodann entdeckte ich die Vendetta Kampagne, die das ohnehin schon nicht gerade komplexe Gameplay noch weiter vereinfacht. Man schlüpft in die Haut von einem von vier Söldnern, die alle teilweise mit der Dunkelheit umgehen können, und schnetzelt sich durch plumpe und simple kleine Level. Welle um Welle. Rein theoretisch geht das auch kooperativ, wie zu erwarten sind die Lobbys aber gähnend leer. Ob sie jemals gut gefüllt waren darf bezweifelt werden. Abgesehen davon gibt es übrigens keinen Mehrspieler. Teil 1 war damals aber schon nicht mein Fall, entsprechend kein Verlust. Wer also schließlich und endlich damit umgehen kann, dass the Darkness II kein hammermäßiges Budget hatte und nicht ewig lange dauert, der kann zuschlagen. Ich habe den späten Kauf nicht bereut und hoffe insgeheim auf einen dritten Teil der Serie.



Note: gut

 
Genre: Ego Shooter

Entwickler: Digital Extremes
Publisher: 2K Games

Release: Februar 2012
getestet: Oktober 2014 // Xbox 360 // pal uk // Limited Edition