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Need for Speed : Rivals

Wenn Geschwindigkeit zur Glaubensfrage wird

 
In einer Welt ohne Krieg, in der Drogen keine Rolle mehr spielen und Mord und Totschlag der Vergangenheit angehören, richtet sich die Aufmerksamkeit der Polizei auf eine noch viel, viel größere Bedrohung: Raserei. Wilde Draufgänger in getunten Rennschleudern überfahren rote Ampeln, beschädigen öffentliches Eigentum und beachten auch die Links vor Rechts Regelung nicht. Um diese Welle der Frechheit zu brechen, muss die Polizei zum Schutze der Bevölkerung drastische Gegenmaßnahmen einleiten...

Wenngleich ich das Szenario mit einem Augenzwinkern betrachte, haben mich die Entwickler mit einer Idee direkt wieder überzeugt: Man spielt beide Seiten und hat entsprechend eine Racer- und eine Cop-Karriere vor der Brust. Im Aufbau unterscheidet sich das Ganze zwar nicht voneinander, in den Aufgaben aber durchaus. Bevor man sich am Steuer von Mercedes, Ferrari und Aston Martin jedoch richtig wohlfühlt, muss man sich zunächst einen Überblick über die Strukturen des Spiels verschaffen. Bei Alldrive, Easydrive, Speedwalls, Speedlists und Autolog gar nicht so einfach, zumal das Ganze online beginnt, also direkt menschliche Fahrer auf eurer Karte rumkurven. Eine interessante Sache, jedoch fange ich ganz gerne wirklich im Einzelspieler an, den man erstmal im Menü aktivieren muss.



Die gesamte Welt von Rivals ist für euch ab der ersten Sekunde frei befahrbar. Es gibt Highways, einen dichten Wald, kleinere Städte und zum Teil schlängelt sich der Asphalt auch durch felsiges Gebiet. Auf der Karte gibt es zahlreiche Radarfallen, haufenweise Abkürzungen und geheime Wege, außerdem jede Menge Polizei und mindestens ebenso viele Kriminelle. In der Haut eines radikalen Rasers duelliert ihr andere Fahrer, versucht Geschwindigkeitsrekorde aufzustellen und stellt generell eure Fahrkünste unter Beweis. Im fortschreitenden Spielverlauf muss man aber auch gezielt den Einsatzkräften der Polizei Schaden zufügen. In beiden Handlungssträngen stehen euch pro Level (Speedlist) drei Aufgaben zur Auswahl, die meist unterschiedliche Schwerpunkte haben. Wer beispielsweise nicht driften kann und will, wird nicht dazu genötigt, sondern wählt einfach eine andere Aufgabe. Als Raser muss man alle erspielten Punkte, die man für unterschiedliche Aktionen erhält, am Ende der Runde unbedingt noch bunkern. Sonst verliert man sie. Dafür einkaufen kann man neue Fahrzeuge und jede Menge Technologie.

Genauso machen die Jungs von der Polizei das auch, nur können die einmal erspielte Punkte nicht mehr verlieren und brauchen für Autos auch keine Kohle auf den Kopf zu hauen. Die gibt’s gratis. In der Rolle als Ordnungshüter jagt ihr in verschiedenen Modi die Raser und versucht konsequent Rennen zu verhindern und zu stören, respektive einzelne Flüchtige dingfest zu machen. Dafür motzt ihr die Fahrzeuge ordentlich auf und installiert Abwehrtechnologie wie Nagelbänder oder EMP-Schläge. Ihr könnt Straßensperren errichten lassen oder gleich mehrere Gegner mit der Schockramme schädigen; und irgendwann ist auch der tollkühnste Fahrer am Ende und muss mit Totalschaden aufgeben. Im Spielverlauf werden die Gegner zahlreicher und stärker und auf beiden Seiten kommt man nur noch mit massivem Einsatz diverser Verteidigungsmittel ans Ziel. Versetzt dem Feind mit elektrostatischen Feldern schwere Treffer, werft Betäubungsminen ab und ganz klassisch kann man den Gegner rammen, einkeilen oder von der Strecke stoßen. Der Fokus von Rivals liegt nicht auf sauberen Rennen, sondern auf Action. Deshalb ist die Steuerung auch recht gutmütig und selbst wenn man mit vollem Karacho in die Leitplanke donnert, bedeutet das nicht das Aus. Auf beiden Seiten kann man in jedem Event eine Goldmedaille gewinnen, was teilweise wirklich ordentlich Arbeit kostet. Knackige Zeitlimits, fiese Zeitstrafen und ab und an fehlendes Glück machen euch nicht selten einen Strich durch die Rechnung. Das Spiel birgt meines Erachtens ohnehin sehr viel Frustpotential, denn jeder Unfall regt auf und teilweise macht euch auch EA das Leben schwer: Das Spiel wechselt unverhofft zur Karte, setzt euch nach einem Unfall bisweilen eingekeilt zwischen Steinen wieder ab und bemerkt nicht immer sofort, dass ihr einfach nur euer Versteck betreten wollt. Abgestürzt ist das Game mir auch und Missionen wurden auch schon mal grundlos beendet. Davon abgesehen braucht man insbesondere als Racer ein dickes Fell, immerhin kämpft man hier gegen andere Raser, die Polizei und hat auch noch den Druck seine erspielten Punkte zu verlieren.



Geschwindigkeit ist das höchste Gut von Need for Speed und hier hat man seine Hausaufgaben gemacht. Rivals ist derart schnell und rasant, dass man insbesondere bei Nacht fast völlig den Überblick verliert und in einem Tunnelblick zu schmelzen beginnt. Mit über 240 Sachen einen Widersacher zu verfolgen ist entsprechend ein echtes Abenteuer. Alles rauscht nur noch an euch vorbei, man möchte nicht mehr blinzeln und die dramatische Musik mit grellen Effekten vollendet den Zustand der Trance. Die Musik bewegt sich ansonsten zwischen Dubstep und Vocal-House, ist also nur selten mein Fall. Die Optik hingegen hat teilweise einiges zu bieten, viele Effekte und scharfe Texturen eine flatterige Kamera und ein schickes Gesamtbild. Ebenfalls positiv aufgefallen ist mir die soziale Anbindung, die euch immer sofort die Bestzeiten aller Freunde aufzeigt. Wer menschliche Kontrahenten will, der schaltet den Mehrspieler im Menü wieder an und nutzt seine Erfahrung aus dem Einzelspieler, dessen Qualitäten erhalten bleiben: Nutzt möglichst viele Abkürzungen, scheut nicht den Einsatz eurer Waffen und brecht Rekorde. Mich persönlich hat das nur teilweise begeistert, handwerklich okay ist es natürlich. Das ist Need for Speed : Rivals ohnehin. Kein Spiel das ich öfter rauskramen werde oder das mir lange im Gedächtnis bleiben wird, aber bis hierhin gute Unterhaltung.



Note: befriedigend

 
Genre: Rennspiel

Entwickler: Ghost Games
Publisher: EA

Release: November 2013
getestet: März 2014 // Xbox One // pal deutsch