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Murdered : Soul Suspect

Hach, tätowierte Handrücken...!

 
Der klassische Gedanke, dass uns Geister den lieben langen Tag lang beobachten, ist erschreckend und verstörend. Es gibt Dinge im Leben, die sollten vor allen anderen verborgen bleiben; seien es nun Menschen oder Gespenster. Während jener Gedanke in Filmen oft verwendet wird, so passiert das in Spielen eher selten. Bei Soul Suspect kann euer Protagonist aber tatsächlich mit lange Verstorbenen sprechen und sie sogar sehen. Das funktioniert allerdings nur deshalb, weil er in den ersten fünf Spielminuten ungebremst vom 3.OG auf blanken Asphalt knallt und anschließend mit sechs Schüssen in die Brust hingerichtet wird.



Ronan, so heißt unsere Spielfigur, ist Ermittler bei der Polizei und wie viele seiner (noch lebendigen) Kollegen auf der Spur des Glockenmörders. Dieser Serienkiller hat zahlreiche junge Frauen auf dem Gewissen, die unter teils grausamen Umständen getötet wurden. Während eines normalen Einsatzes versucht Ronan im Alleingang einen Verdächtigen gefangen zu nehmen, verliert den Kampf jedoch und stirbt. Unsere Welt verlassen und im Paradies seine geliebte Julia umarmen kann er aber nicht. Er hat noch eine Aufgabe zu erledigen und bleibt bis dahin ein Teil jener absurden Zwischenwelt, in der das Spiel beginnt. Ganz recht, wir spielen einen Geist. Glücklicherweise intensivieren sich eure positiven Fähigkeiten im Totenreich, so dass Ronan die Ermittlungen fortführen kann. Aus dem Jenseits macht er also Jagd auf seinen eigenen Mörder und versucht weitere Morde des Glockenmörders zu verhindern.

Das tut ihr aus der 3rd Person Perspektive und in aller Ruhe, denn Soul Suspect ist ein ruhiges und langsames Spiel. Zu keiner Zeit wird man gehetzt, nahezu alles was man tun kann ist optional und Gegner sucht man vergeblich. Was ist also euer Job? Ihr untersucht verschiedene Orte, stellt Nachforschungen zu eurem laufenden Fall an und beginnt am besten direkt mit dem Schauplatz eures eigenen Todes. Also nichts wie zurück in jenes Haus, das euch zum Verhängnis wurde. Doch wie? Geister können zwar durch die meisten Objekte hindurchgehen, brauchen aber zum Betreten eines Gebäudes die unfreiwillige Unterstützung der Lebenden. Einmal im Haus angekommen, kann Ronan sich aber nahezu völlig frei bewegen, fürchtet kaum mehr eine Wand und die Welt steht ihm offen. Darüber hinaus kann er als Geist jedem über die Schulter gucken, Gesprächen lauschen und unbehelligt durch jedwedes Beweismaterial stöbern. Tot zu sein hat Vorteile. Um an wichtige Informationen zu gelangen kann sich Ronan sogar in die Köpfe der Menschen einklinken und deren Gedanken lesen. Zumindest bis er auf Joy trifft. Die ist zwar eigentlich quicklebendig, besitzt aber die Gabe beide Welten wahrnehmen zu können. Fortan ist sie euer Link in die Welt der nicht verstorbenen.



Mir hat Murdered auf Anhieb ganz gut gefallen. Die Atmosphäre ist bizarr und morbide, die Hauptfigur irgendwie sympathisch und die Synchronisation ist makellos. Salem, dort wo alles passiert, ist eine Mischung aus moderner Welt und der Vergangenheit. Überall auf den Straßen stehen Geister herum und immer wieder wird man mit der Geschichte der Stadt konfrontiert. Das ist klasse gemacht und lädt, so denkt man, ebenso wie die 200 Sammelobjekte dazu ein, sich das alles näher anzuschauen. Leider stellt sich rasch heraus, dass Salem gestaucht und eng ist, dass die Extras kaum Mehrwert haben und die Gedanken der Menschen furchtbar langweilig sind. Nein, abgesehen von der Hauptgeschichte gibt es nichts zu sehen und zu erleben, so dass man sich fast die ganze Spielzeit über im Joggingtempo von A nach B bewegt. Das ist schade, stellenweise hatte ich mir mehr erhofft, zumal der Ansatz mir ganz gut gefallen hat. Beispielsweise die vielen Flashbacks, die langsam aber sicher Licht ins Dunkel bringen und vernünftig in Szene gesetzt werden. Oder die Fähigkeit als Poltergeist für Unruhe zu sorgen. Wirklich genutzt haben die Entwickler die Features dann aber nicht und offenbar auch vergessen euch ein paar Gegner in die virtuelle Welt zu programmieren. Einzig Dämonen tauchen hier und da auf. Die kann man logischerweise nicht einfach über den Haufen ballern, sondern muss sich von hinten an die Finsterlinge heranschleichen und sie dann erlösen. Das sollte man auch tun, denn wenngleich Ronan zwar bereits gestorben und ein Geist ist, kann er trotzdem sterben. Irgendwie.

Murdered : Soul Suspect hält kaum mehr als sechs Spielstunden parat, offenbart hier und da eklatante Schwachstellen, ist optisch angestaubt und langweilt euch bisweilen; und hat sich trotzdem gelohnt. Zum einen blicke ich neidisch auf die tätowierten Handrücken des Protagonisten, zum anderen ist Murdered günstig zu bekommen. Es ist vorbildlich ins Deutsche synchronisiert worden und macht auf seine Art irgendwie Spaß. Eine Empfehlung spreche ich für den Titel aber natürlich nicht aus, dafür passiert auf dem Bildschirm dann doch zu wenig, beziehungsweise ist die präsentierte Welt viel zu langweilig. Starker Beginn, laues Mittelfeld und plötzlich ist es zu Ende. Genau deshalb wollte ich zunächst auch nur ein 'ausreichend' geben, habe mich in letzter Sekunde aber zu einem unheimlich knappen 'befriedigend' entschieden.



Note: befriedigend

 
Genre: Action Adventure

Entwickler: Airtight Games
Publisher: Square Enix

Release: Juni 2014
getestet: August 2015 // Xbox One // pal uk