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Akrobatik mit Buchstaben

   
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Destiny

Let me see what spring is like on Jupiter and Mars

 
1969 landet der erste Mensch auf dem Mond. Einige Jahre später, 2014, landet dort dann schließlich der wichtigste Mensch - ich. Als junge Hüterin der Titanklasse, bewaffnet mit einem Automatikgewehr und einer Schrotflinte, gehe ich auf Patrouille und lasse mich von Vater Mond in seinen Bann ziehen. Geheimnisvoll weiß, still, magisch und surreal breitet sich die beeindruckende Kraterlandschaft vor mir aus. Doch es bleibt nicht ruhig, denn bei Destiny ist der Mond kein unbewohnter Gesteinsbrocken. Nein, die Schar hat sich hier eingenistet, ein gigantisches Tunnelsystem in den Himmelskörper geschraubt und arbeitet am Krieg gegen die Menschen. Worauf es bei meinem Gefechtsdienst also ankommt ist klar: Außerirdische abknallen.

Destiny kommt von Bungie, den Jungs und Mädchen die mit Halo die Welt der Konsolenspiele geprägt haben und die in ihr neuestes Werk viel davon haben einfließen lassen. Von den Waffen bis zu eurem Geist, vom Mosquito bis hin zum Sound. Und obendrein ist Destiny auch noch ein Ego Shooter. Allerdings mit einem völlig anderen Konzept als Halo oder andere Konsolenspiele, denn Bungie gestaltet alles sehr offen, so dass Einzel- und Mehrspieler verschmelzen und ihr nahtlos zwischen Kampagne, Strikes, Raids und dem Mehrspieler wechseln könnt. Viel zu tun, viele Mitspieler und nicht selten fühlt man sich deshalb wie in einem PC Spiel.



Für ein solch gewagtes Projekt war es wichtig, dass fähige Menschen dahinter stehen - und viel Geld. Bungie hat mit der fantastischen Optik bereits im ersten Schritt alles richtig gemacht: Die Welten sind zwar eher leer und starr, sehen aber dennoch hervorragend aus, sind detailliert, abwechslungsreich und voll prächtiger Effekte. Technisch krümme ich dem Titel also kein Haar, Grund für Kritik bietet indes die Kampagne. Die ist weniger episch als von vielen erhofft und wirkt mehr wie Beiwerk, da sich die Level stark ähneln, wenig Geschichte erzählt wird und die Vorgehensweise in den Missionen eher eintönig ist. Kooperation sollte also euer Ding sein, denn dann gibt es neben der Kampagne die besagten Raids und Strikes, die randvoll sind mit gewaltigen Gegnern und Endgegnern. Wenn Destiny hier variabel genug bleibt und Bungie die Community mit immer neuen Aufgaben und Highlights versorgt, dann geht das Konzept voll auf. Nur gemeinsam lassen sich die teilweise unfassbar starken Brocken in die Knie zwingen, es braucht Geduld und Können. Wie leider schnell klar wird, sind auch diese Missionen kein Musterbeispiel für Kreativität oder Inspiration und recht simpel gestaltet, durch die tadellose Spielbarkeit des Ego Shooters aber trotzdem ungemein unterhaltsam. Zu guter Letzt gibt es den Schmelztiegel, der euch klassisch in den Mehrspieler bringt, beispielsweise bei Rumble (Jeder gegen Jeden) oder beim Konflikt (Team Deathmatch). Nachdem ich hier einige Runden lang nur auf die Fresse bekommen habe, liefs dann auf einmal und Bungie hat mich - wie einst bei Halo - wieder gekriegt. Tolle Karten, Tag/Nacht Wechsel und durch die Fähigkeiten der Subklassen enorm spannend.



Destiny legt großen Wert auf die Entwicklung eurer Figur. Drei Klassen stehen euch zu Beginn zur Auswahl und egal wen ihr nehmt, alles beginnt ganz normal mit dem Sammeln von Erfahrungspunkten. Ab Level 20 geht ohne die richtige Ausrüstung plötzlich aber nichts mehr. Ihr braucht Helme, Brustpanzer oder Handschuhe - alles mit Licht - sonst bleibt man bei Level 20 hängen. Interessant. Parallel dazu schaltet ihr durch eifriges Spielen in eurem Skill-Tree immer mehr Fähigkeiten frei, so dass ihr am Ende einen maßgeschneiderten Krieger vor euch habt. An Waffen mangelt es Destiny auch nicht. Sie sind zahlreich vorhanden, lassen sich verbessern und passen am Ende ideal zu eurer Spielweise. Große Besonderheit ist allerdings, dass es Zeit und Glück braucht um jene Gegenstände zu ergattern. Viel. Von beidem. Die Gegner lassen im Gefecht ab und an mal Gegenstände fallen und nur wer Stunde um Stunde in immer wieder gleichen Missionen besteht, kommt am Ende an legendäre Ausrüstung und hat Qualitätsware am Leib. Wie genau das alles geht und in welchem Zusammenhang das alles steht, muss man sich mehr oder weniger selbst erklären. Ich bin kein Fan von Tutorials, aber Destiny hat mich anfangs echt verwirrt. Es gibt Marken die man sammelt, bei der Vorhut oder im Schmelztiegel beispielsweise, es gibt aber auch Splitterfraktionen und parallel dazu noch den Ruf bei der jeweiligen Partei. Alles zu finden ausschließlich im Turm, einem klassischen MMO-irgendwas Hub, in dem man sich Beutezüge raussucht, Dinge in Tresoren verstaut, Missionen annimmt oder einkauft. Den einen packt das, den anderen nicht. Vielen wirkt es zu beiläufig und oberflächlich, unsinnig und stumpf, nur für eine bessere Waffe immer und immer wieder dieselbe Mission zu spielen. Wer so sehr Sammler ist, dass er jene Eintönigkeit allerdings ausblenden kann, für den ist Destiny hingegen eine Offenbarung.

Ich selbst siedle irgendwo in der Mitte. Die Missionen sind schnörkellos, die Belohnungen rar und doch jage ich nach besserer Ausrüstung. Außerdem hat mich der Schmelztiegel überzeugt, wenngleich die Superfähigkeiten einiger Krieger zu stark erscheinen. Alles in allem ist es der herausragenden Spielbarkeit von Destiny zu verdanken, dass mir eigentlich alle Modi auf ihre Art und Weise viel Spaß machen. Und das, obwohl Bungie jede Menge Potential einfach hat verpuffen lassen: Man kann nicht mit Mitspielern interagieren, die Ladezeiten sind lang, die Anbindung an bungie.net nicht so gekonnt wie damals bei Halo und das Missionsdesign hätte ausgefeilter sein müssen. Naja, was solls. Mir reicht ja schon fast das herrliche Science Fiction Feeling und auch wenn ich mich gelegentlich frage "Warum?", freue ich mich bereits jetzt auf zusätzliche Inhalte. Destiny ist nichts für Sprinter, Destiny ist ein Marathon.



Note: sehr gut

 
Genre: Ego Shooter

Entwickler: Bungie
Publisher: Activision

Release: September 2014
getestet: September 2014 // Xbox One // pal deutsch // Limited Edition