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Battlefield Hardline

Läuft am besten mit Donuts und Kaffee

 
Verbrannte Erde. Krimis, bei denen Polizisten im Drogenkrieg gegen Korruption und Lederjacken-Bösewichte kämpfen und hier und da einen kecken Spruch auf das TV-Publikum abfeuern, sind mir ein Graus. Hätte ich mir also mal einen Trailer zu Hardline angeschaut, wären die 69,99€ wohl auf meinem Xbox Konto geblieben. Nein, ich war in der Tat ziemlich überrascht davon, dass man jedweden kriegerischen Konflikt aus der Thematik gestrichen hat und stattdessen die Polizeiarbeit in Miami in den Fokus rückt. Doch nach fatalem Ersteindruck und einer schallenden Ohrfeige für meine Naivität, fand ich langsam Gefallen an dem Titel.



Da die Geschichte, trotz einiger Wendungen, ziemlich vorhersehbar bleibt und in den Dunstkreisen von CSI und Co. siedelt, bleibt sie mir ein Dorn im Auge. Das Auspressen von Klischees nervt einfach; nicht von der Hand weisen kann man allerdings die gute Präsentation und die ansprechende Erzählstruktur. So schlüpfe ich also in meine Uniform und stürze mich auf die Straße, wo ich mit meiner sexy Partnerin Miamis Drogensumpf trockenlegen möchte. Während ich sonst bei Battlefield ohne Sturmgewehr noch nicht mal das Haus verlasse, bin ich als Polizist nicht so üppig ausgestattet. Meine Dienstwaffe und mein schicker Elektroschocker sind zu Beginn alles was mir zur Verfügung steht, allerdings will ich selbst die im Idealfall nicht benutzen. Im Gegenteil: Anstatt mit der Waffe im Anschlag feindliche Stützpunkte zu pulverisieren, hocke ich mich hin und schleiche mich an die Ganoven heran, umgehe hier einen Wachposten und lasse dort zwei Gangster links liegen. Mein Ziel ist nicht unbedingt der Tod einer Zielperson, sondern das Sammeln von Beweismaterial o.Ä. Entsprechend leise gehe ich vor, analysiere Laufwege, beobachte aus der Ferne und kann in pikanten oder ausweglosen Situationen jederzeit mit der Dienstmarke wedeln. Jenes Feature ist über den gesamten Spielverlauf hinweg etwas dröge, im Ansatz aber super. Ich entwaffne meine Gegenüber damit, fessle sie und kann nur mit der Marke und einem markanten "Hände hoch!" bis zu drei Übeltäter in Schach halten. Das konnte ich als Soldat noch nie... Später gewährt euch Hardline dann volle Kontrolle über eure Ausstattung und auch stärkere Waffen können mit in den Einsatz genommen werden. Womit wir beim ersten Problem wären: Da Battlefield es diesmal auf eine ruhige Herangehensweise anlegt, machen große Kaliber wenig Sinn. Umgekehrt kann man beispielsweise aber keine Leichen verstecken, so dass man sich auch nicht vollends aufs heimliche Vorankommen konzentrieren kann. Der Spagat misslingt deshalb bisweilen, allerdings ohne zu frustrieren. Wenn man nicht herumtrödelt und stets auf ein Feuergefecht gefasst ist, kann das schon funktionieren...



Technisch fälle ich ein ähnliches Fazit, da mich vor allem die Zwischensequenzen gepackt haben und Hardline stellenweise phänomenal gut aussieht. Wenn der Sturm durchs Einkaufscenter pfeift, beispielsweise. Andererseits begleitet euch nicht nur eure hübsche Partnerin die ganze Zeit, Nein, auch böses Kantenflimmern weicht niemals von eurer Seite. Hinzu kommt, dass viele begehbare Bereiche sehr eng abgesteckt und gestaucht sind und es hier und da deutlich an Glanz und Glamour fehlt. Der Look ist auch nicht unbedingt mein Fall und wirkt auf mich ein klein wenig altbacken und aufgesetzt. Ohne Makel bleibt indes wie immer der Sound, auch wenn mir aufgrund der vielen Schalldämpfer ein wenig die Wucht gefehlt hat. Jener Wucht kann man sich dann aber im Mehrspieler hingeben, denn hier fetzt es einen regelrecht aus den Socken. Die Performance ist dabei übrigens angenehm flüssig und fehlerfrei, auf teilweise sehr großen Karten.

Fragen darf man sich, ob Hardline als Spin-Off zu verstehen ist. Das würde erklären, weshalb die Mischung aus Stealth und Action teilweise nicht ganz zu Ende gedacht wirkt. Andererseits ist es ein Vollpreistitel und die zehn Kapitel des Einzelspielers sind weit mehr als eine Dreingabe oder ein Bonus. Ich habe keine Ahnung. Während für viele Leute bei Battlefield grundsätzlich nur der Mehrspieler zählt, hält sich das bei mir die Waage und unterm Strich ist Hardline für mich deshalb wohl ein vollwertiges Projekt, das dem Genre sogar einen Hauch frischen Windes spendiert. Polizeiarbeit mit Dienstmarke und Co., die zudem wie eine TV Produktion inszeniert ist und bei der man sich Feuergefechte und Verfolgungsjagden mit Kriminellen liefert, sind ja nicht gerade an der Tagesordnung.

Der Mehrspieler rückte bei mir dann nach dem ersten Durchspielen in den Fokus und kann auf gewohnte Art und Weise begeistern, bietet mit einigen neuen Modi zudem unterhaltsame Schlachten um Blutgeld oder Kunstgegenstände. Das funktioniert, neben den altbekannten Varianten, ziemlich gut. Vor allem die Schlacht um den allmächtigen Dollar hat mir gefallen, denn hier muss man den eigenen Tresor bewachen und sich an einem neutralen Tresor bedienen. Pikant wird das Ganze deshalb, weil man auch den gegnerischen Tresor plündern kann. Die Karten bieten eine angenehme Mischung aus Groß und Klein, es gibt diverse Fahrzeuge, eine taktische Übersicht, haufenweise Möglichkeiten zur Individualisierung, unvorhersehbare äußere Einflüsse (Sandsturm, einstürzende Bauwerke) und natürlich Explosionen, Explosionen, Explosionen. Das garantiert hochwertige Schlachten für viele Wochen.

Battlefield Hardline ist ein toller Ego Shooter mit einem fantastischen Multiplayer geworden, der mir jedoch in einigen Belangen der Kampagne nicht konsequent genug erscheint. Der Spagat zweier Genres ist nicht ganz gelungen und rein persönlich gefällt mir virtueller Krieg besser als virtuelle Ermittlungsarbeiten. Davon mal abgesehen ist Hardline ein motivierender Action Titel, der auf ein sehr knappes 'gut' kommt und den man, im Gegensatz zu diversen Vorgängern, lieber mit einer Tasse Kaffee und einem Donut spielt. Nicht wie sonst. Mit Bier und Fast Food.



Note: gut

 
Genre: Ego Shooter

Entwickler: Visceral Games
Publisher: EA

Release: März 2015
getestet: April 2015 // Xbox One // pal deutsch // Download