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Forza Motorsport 6

Weg / Zeit

 
Fehlstart. Lediglich moderate Vorfreude ist bei Rennspielen - bei mir - ganz normal. Die Stimmung schlägt immer erst ganz kurz vor Release in Begeisterung um, was bei Forza Motorsport 6 aus mir unerfindlichen Gründen jedoch nicht passiert ist. Schlimmer noch, denn erst ca. acht Wochen nach dem Kauf hatte ich überhaupt Lust auf den Racer. Als ich dann zum ersten Mal konzentriert für längere Zeit am Steuer saß, war besagte Unlust aber schnell verflogen. Skepsis und Antriebslosigkeit wichen einem Flächenbrand der Freude, denn Forza 6 ist ein verflucht gutes Spiel geworden. Schnell, schick, umfangreich, hochwertig, unterhaltsam und mit etlichen neuen Features versehen. Aquaplaning und Nachtrennen gehören dazu, insgesamt 26 verschiedene Locations darf man befahren und dank hervorragender Spielbarkeit avanciert die sechste Episode im mittlerweile zehnten Jahr zu einem der besten Rennspiele überhaupt.

Ich selbst bin übrigens noch keine zehn Jahre mit dabei, sondern erst seit 2007 in diversen Renn- und Sportwagen unterwegs. Das behauptet zumindest der neue Spiele-Hub, der neben solchen Infos auch noch einige Community Features und gratis Credits bereithält. Das ist wichtig, schließlich kostet so ein Mercedes C64 AMG in der Black Series schon ein paar Mark - und der Fuhrpark hat noch haufenweise weitere kostspielige Vehikel aller namhaften Hersteller in petto. Wenn man sein Traumauto dann erstmal in der Garage geparkt hat, investiert man meist auch noch ein bisschen was in Tuning und Performance, außerdem steht euch der gewohnt umfangreiche Design Editor zur Verfügung. Wer will, macht anschließend Fotos von seiner Karre oder nimmt sie im ForzaVista nochmal ganz genau unter die Lupe.



Turn 10 hält für euch einen Karrieremodus bereit, der diesmal in fünf separate Staffeln aufgeteilt ist. Innerhalb einer solchen Staffel gibt es diverse Rennserien die sich nach und nach freischalten. Während man theoretisch für jede davon das Fahrzeug wechseln könnte, kann man bei Forza 6 glücklicherweise auch eine komplette Staffel in nur einem Auto beenden. Das ist mir durchaus wichtig, da ich meinen Favoriten meist schnell gefunden und entsprechend aufgemotzt habe. Wer will, wechselt im Karrieremodus also nur fünf Mal das Fahrzeug. Präsentiert wird das alles in gewohnt gehobener Qualität, birgt allerdings erneut kaum frischen Wind. Konkurrenten, Punktelisten, ein eigener Fuhrpark oder eine zu managende Rennfahrer-Laufbahn gibt es auch diesmal nicht. Das wusste ich allerdings und bin dem Spiel deshalb nur bedingt böse. Es geht halt schnörkellos zur Sache, was bei einem Racer sicherlich kein Weltuntergang ist. Wer brav Runde um Runde fährt, der schaltet mit der Zeit Schaurennen frei, die mit völlig unterschiedlichen Siegesvoraussetzungen eine Menge Abwechslung bieten. In jenen Events gilt es beispielsweise Kegel umzufahren, Konkurrenten in baugleichen Flitzern zu schlagen oder möglichst viele Autos zu überholen. Richtig gut gefallen hat mir die Rückkehr des Ausdauermodus, der euch beispielsweise acht Runden über die Nordschleife schickt oder 40 Runden Road Atlanta möglich macht. Dauert ewig, macht aber Freude und steigert Fahrerlevel wie auch Affinität beträchtlich.



Neuland betritt Forza Motorsport mit den Mods. Das ist ein Kartensystem, das verschiedene Boni gewährt und zum Beispiel eure Startposition verbessert. Oder aber eure Siegeschancen deutlich schmälert: 12% mehr Gewicht zum Beispiel oder die erzwungene Abschaltung all eurer Fahrhilfen. Lohnt sich mitunter dennoch, da die Gewinnausschüttung entsprechend erhöht wird. Ob die Mods nötig gewesen sind vermag ich nicht zu beantworten, sie fügen sich aber gut und simpel in das Spiel ein. Von dem kann ich ansonsten auch gar nicht viel Neues sagen: Forza fährt sich wie immer butterweich, fühlt sich unfassbar gut an und trifft erneut die perfekte Mischung aus Simulation, Realismus und Arcade. Die Strecken sind haarklein den Originalen nachempfunden, satte 23 Konkurrenten befinden sich mit euch auf dem Asphalt und der Schwierigkeitsgrad lässt sich in allen Details einstellen. Mit euch am Start sind jede Menge Driveatare, also digitale Abbilder eurer Freunde, und dank guter KI liefert man sich minutenlange Zweikämpfe mit seinen Rivalen. Eine Handvoll fiktiver Strecken hat Turn 10 ebenfalls mit dabei, neu ist dieses Jahr Brasilien mit einem ansehnlichen Kurs durch Rio. Einige Strecken, leider nicht alle, ermöglichen euch Nachtfahrten oder Regen. Insbesondere Letzterer fordert euer Können nochmal besonders heraus. Wenn sich das Wasser wie ein Keil unter eure Reifen schiebt und Gas und Lenkung nicht mehr reagieren, dann ist das erschreckend realistisch. Auf den Kursen bilden sich große Pfützen, die Bremsen reagieren sensibler und man fährt tatsächlich ganz anders. Schön ist, dass es sich nicht nur anders spielt, sondern auch optisch eine Menge hermacht. Das gilt erfreulicherweise für das ganze Spiel. Trotz der hohen Geschwindigkeit und den vielen anderen Fahrzeugen gerät Forza niemals ins Stocken. Die Effekte sind hervorragend, die Cockpit Perspektive intensiv und insgesamt sieht das Werk von Turn 10 umwerfend aus.

Online habe ich selbst kaum gespielt, aber immerhin ein bisschen. Es nervt mich, dass die erste Kurve noch immer ein Albtraum ist, jedenfalls sofern der Host die Kollisionen nicht abgeschaltet hat. Davon abgesehen läuft der Mehrspieler gut, leicht ruckelig bezogen auf einige Konkurrenten, ist dafür aber mit vielen Spielmodi gespickt. Neben normalen Rennen gibt es u.a. Liga-Duelle oder einen gepflegten Wettkampf im Rivalen Modus - wobei der nur so halb als Mehrspieler zu verstehen ist. Forza ist ein Rennspiel erster Güte, welches sich tadellos spielt, leider erneut auf einen richtigen Karrieremodus verzichtet und selbstredend vor allem auf Wiederholung und Perfektion basiert. Das alles ist von Turn 10 handwerklich so makellos umgesetzt worden, dass ohne jeden Zweifel nur die Bestnote in Frage kommt.



Note: sehr gut

 
Genre: Rennspiel

Entwickler: Turn 10
Publisher: Microsoft

Release: September 2015
getestet: Januar 2016 // Xbox One // pal australisch // Limited Edition